Zwei Jahre nach dem Absturz der Germanwings-Maschine über den französischen Alpen richtet der Vater des verstorbenen Co-Piloten schwere Vorwürfe an die Staatsanwaltschaft. In einem Interview mit der ZEIT kritisierte Günter Lubitz die Ermittlungen zur Absturzursache des Germanwings-Flugs 4U9525. "Es gab ganz offensichtlich Dinge, die man gar nicht erst ermittelt hat, vielleicht weil man sie nicht ermitteln wollte", sagte Lubitz.

Sein Sohn Andreas hatte die Germanwings-Maschine gesteuert, die im März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den Alpen zerschellt war. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte der Pilot die Maschine vorsätzlich abstürzen lassen und so sich selbst und 149 Menschen getötet. Er soll unter Depressionen gelitten haben. 

Die Annahme einer Tötungsabsicht weist sein Vater jedoch zurück. Es gebe "keinen einzigen wirklich stichhaltigen und belastbaren Beleg", dass sein Sohn sich und die Passagiere der Germanwings-Maschine "vorsätzlich und geplant" in den Tod geflogen habe, sagte Lubitz. "Unser Sohn war ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Er hatte keinen Anlass, einen Selbstmord zu planen und umzusetzen, und erst recht nicht, dabei noch 149 andere unschuldige Menschen mitzunehmen. Ein solches Verhalten passt einfach nicht zu ihm und seiner Persönlichkeit." Andreas Lubitz sei "nicht der Mensch gewesen, den die Boulevardpresse aus ihm gemacht hat".

Germanwings-Absturz - Vater des Copiloten zweifelt Ermittlungsergebnisse an Günter Lubitz wehrt sich gegen den Vorwurf, sein Sohn habe die Germanwings-Maschine absichtlich abstürzen lassen. Andreas Lubitz habe zum Unglückszeitpunkt nicht an Depressionen gelitten. © Foto: Markus Schreiber/dpa

Der Vater des verstorbenen Piloten stützt sich dabei auf ein Gutachten des Fachjournalisten und Luftfahrtexperten Tim van Beveren, der die 16.000 Seiten umfassenden Ermittlungsakten der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft und der Sonderkommission Alpen ausgewertet habe. Als Ergebnis behauptet van Beveren: "Die These eines vorsätzlichen Massenmordes ist nicht haltbar." 

An diesem Freitag, dem zweiten Jahrestag des Absturzes, will Günter Lubitz zusammen mit van Beveren die Ergebnisse des Gutachtens in Berlin vorstellen. Die Ankündigung der Pressekonferenz an diesem Datum stieß bei Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes auf großen Ärger.