Lauter gute Nachrichten verbreitet die neue ifo-Studie Bildung hat Zukunft, zumindest auf den ersten Blick: Dreimal mehr Menschen zwischen 18 und 65 Jahren haben einen Hochschulabschluss als vor 40 Jahren und deutlich weniger bleiben ohne Berufsabschluss. In den 1970er Jahren hatten noch fast 40 Prozent der Menschen gar keine Ausbildung, 2013 waren es nur noch 16 Prozent. Und: Ein Studium lohnt sich über das ganze Leben betrachtet finanziell im Schnitt immer im Vergleich zu einer Lehre – auch später in der Rente. Hochschulabsolventen verdienen durchschnittlich fast doppelt so viel.

Trotzdem: Auch eine Ausbildung abzuschließen, ist lukrativer als keinen Abschluss zu haben. Wer nach der Fachausbildung einen Meister macht und vielleicht sogar einen eigenen Betrieb gründet, kann oft sogar mit den Studierten mithalten. Auch das Risiko arbeitslos zu werden, ist für einen Meister ähnlich gering wie für einen Uni-Absolventen. 

Der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik Ludger Wößmann, der die Studie durchgeführt hat, sagt: "Überrascht hat uns das nicht, aber mit den Daten zum Lebenseinkommen können wir handfest darstellen, wie stark die Einkommensunterschiede in Deutschland sind und wie eindeutig sie mit dem Bildungsabschluss einhergehen." Bildung lohnt sich also, selbst wenn sie erst einmal Geld kostet.

Ärzte profitieren am meisten, Sozialarbeiter am wenigsten

Nur: Die Unterschiede im Einkommen sind enorm – je nach Branche, Alter, Geschlecht und Region. Dass Betriebswirtschaftsabsolventen oder Juristen im Laufe ihres Leben besonders viel verdienen, erstaunt nicht. Ärzte haben jedoch einen noch größeren Vorsprung gegenüber den Menschen mit Ausbildungsberuf. Lehrer am Gymnasium schneiden auch sehr gut ab – und zwar mit einem großen Abstand zu Grundschullehrern. Dass aber Sozialarbeiter finanziell fast gar nicht von ihrem Studium profitieren, habe auch ihn überrascht, sagt Wößmann. Neben dem geringen Gehalt, sei die Ursache wohl auch darin zu finden, dass Menschen im Sozialbereich oft nicht durchgängig angestellt sind. 

Folgt man der Logik einer ökonomischen Studie, müsste man Schulabgängern also davon abraten, einen sozialen Beruf zu ergreifen. Glücklicherweise entscheiden sich Menschen nicht nur wegen des Geldes für ein Studium, sondern aus Neigung. Trotzdem sagt auch Wößmann: "Man muss sich bewusst machen, dass gerade händeringend nach diesen Menschen gesucht wird. Die Beschäftigung muss sicherer und Gehälter müssen angehoben werden."

Immerhin: Kein Studium, nicht einmal das der Sozialarbeit, rutscht in der Lebensbilanz ins Negative. Einen kleinen Gewinn gibt es im Schnitt immer. Ähnlich sieht es auch in den Ausbildungsberufen im Vergleich zu unqualifizierten Arbeitern aus. Eine Friseurin verdient in ihrem Leben allerdings gerade mal 7.000 Euro mehr als eine Frau, die gar keine Ausbildung hat.

Wößmann ist überzeugt, in bildungsfernen Schichten sei der Gedanke noch verbreitet, dass die Jahre, in denen man als Student nichts verdient, viel zu teuer seien. Immerhin tragen allein die Eltern durchschnittlich rund 30.000 Euro zu einem Studium bei. Das sei aber laut Studie eindeutig nicht so: "Das holen die Studenten später um ein Vielfaches wieder rein", sagt er.