Die britischen Behörden haben nach eigenen Angaben die Identität des Täters geklärt und vermuten einen islamistischen Hintergrund des Anschlags vom Mittwochabend im Zentrum von London. Nach Angaben von Mark Rowley von der Antiterroreinheit der Londoner Polizei laufen die Ermittlungen hierzu zwar noch. "Wir gehen aber davon aus, dass der Anschlag vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde." Hunderte Ermittler seien im Einsatz, die sich auf das Motiv, die Vorbereitungen und mögliche Komplizen des Mannes fokussierten.

Der Angreifer hatte mit einem Auto Fußgänger auf der Westminster Bridge niedergefahren und anschließend einen Polizisten auf dem Gelände des nahegelegenen britischen Parlaments erstochen. Durch seine Tat hatte er vier Menschen getötet und 40 weitere teils schwer verletzt; er selbst wurde von Einsatzkräften erschossen. Unter den Todesopfern sind drei Zivilisten und ein Polizist.

Unter den Verletzten in London sind mindestens drei französische Schüler, zwei rumänische Staatsbürger und mehrere Südkoreaner. Unklar blieb zunächst, ob auch deutsche Staatsangehörige betroffen sind. Die Polizei bat darum, keine Fotos und Videos von Verletzten über soziale Netzwerke zu verbreiten. Augenzeugen sollen ihr Material direkt über eine Website an die Polizei senden.

Die britische Premierministerin Theresa May verurteilte die Tat als "krank und verkommen". Doch die Briten würden sich dadurch nicht unterkriegen lassen, die Menschen würden sich "niemals dem Terror beugen" und sich von den "Stimmen des Hasses und des Bösen" nicht spalten lassen. "Jeder Versuch, die britischen Werte der Demokratie und der Freiheit zu attackieren, wird scheitern", sagte sie nach einem Treffen ihres Kabinetts vor dem Regierungssitz in der Downing Street und kündigte an, dass das Parlament am Donnerstag wie üblich zusammenkommen und die Terrorwarnstufe nicht erhöht werde. 

In Großbritannien gilt derzeit die zweithöchste Terrorwarnstufe. Rowley von der Antiterroreinheit der Polizei kündigte an, dass in den kommenden Tagen zusätzliche bewaffnete Polizeikräfte in der Stadt eingesetzt würden, um die Öffentlichkeit zu sichern. Insgesamt sollen derzeit 2.800 Beamte in London für Sicherheit sorgen. 

Jahrestag der Anschläge in Brüssel

Der Anschlag von London wurde auf den Tag genau ein Jahr nach den Terrorattacken von Brüssel verübt, bei denen islamistische Selbstmordattentäter 32 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt hatten. Er hatte aber eher Parallelen zu den Anschlägen von Nizza und Berlin, bei denen die Angreifer ebenfalls Fahrzeuge als Waffe eingesetzt hatten. Für die Londoner ist es der zweite verheerende Anschlag in ihrer Stadt: Im Juli 2005 hatten vier Attentäter in der U-Bahn und in einem Bus Sprengsätze gezündet. Damals starben 56 Menschen, etwa 700 wurden verletzt.

Die U-Bahn-Station Westminster wurde nach dem Anschlag zunächst geschlossen. Das britische Parlament wurde von den Sicherheitsbehörden abgeriegelt. Die Abgeordneten konnten das Gebäude zunächst nicht verlassen. Insgesamt hatten Hunderte Menschen stundenlang in der Westminster Abbey ausgeharrt. Am Mittwochabend wurde das Parlament schließlich evakuiert. Der Parlamentspräsident David Lidington hatte die Parlamentarier über den Vorfall informiert.

Schottisches Parlament verschiebt Abstimmung

Das schottische Parlament hat aufgrund der Vorfälle in London seine für den Abend geplante Abstimmung über ein zweites Referendum zur Abspaltung von Großbritannien abgesagt. Der Präsident des schottischen Parlaments, Ken Macintosh, kündigte an, das Plenum werde am Donnerstag wie geplant tagen und nach einem neuen Termin suchen.

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt sprachen den Briten ihr Beileid aus. Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, sagte, die USA gratulierten der britischen Polizei zu ihrem schnellen Handeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande verurteilten die Tat und bekundeten May ihre Unterstützung im Kampf gegen den Terror.

Anschlag in London - Das Anschlagsschema Der Angriff in London passt in ein bestimmtes Muster. Weniger eindeutig ist eine Verbindung des Täters zur Terrororganisation "Islamischer Staat", die die Tat für sich beansprucht. © Foto: AFP-TV