Bald sind es zwei Monate: Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel sitzt immer noch in türkischer Haft. Seine Anwälte sind Ende März vor das Verfassungsgericht in Ankara gezogen, um dort für die Freilassung des Welt-Korrespondenten zu kämpfen. Sie argumentieren, die Inhaftierung Yücels verletze sein Recht auf körperliche Unversehrtheit und persönliche Freiheit, das Recht auf ein faires Verfahren, sein Recht auf die Unschuldsvermutung, sein Recht auf Schutz vor Verleumdung, das Recht auf Privatsphäre und freie Kommunikation sowie seine Meinungsfreiheit.

Yücel hatte sich am 14. Februar den Behörden gestellt und ist seither inhaftiert. Daran haben die diplomatischen Bemühungen der Bundesregierung und der öffentliche Aufruf von Journalisten und Prominenten nichts geändert. Auch unter dem Hashtag #freedeniz haben Tausende Menschen die Freilassung Yücels gefordert, bislang ohne Erfolg. Nach Angaben des Auswärtigen Amts hatte der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım bereits Anfang März zugesagt, dass deutsche Botschaftsmitarbeiter Zugang zu Yücel erhalten würden. Doch erst Anfang April durfte ein deutscher Diplomat erstmals zu ihm. Dem Journalisten gehe es verhältnismäßig gut, die Einzelhaft empfinde der 43-Jährige jedoch als sehr belastend, teilte das Auswärtige Amt später mit.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel kritisierte: "Der Umgang mit Deniz Yücel ist rechtsstaatlich und politisch inakzeptabel." Man müsse "ja fast annehmen, dass Yücel der türkischen Führung als politischer Spielball in einem schmutzigen Wahlkampf dient." In der Türkei wird am 16. April ein Referendum abgehalten über die Frage, ob ein Präsidialsystem eingeführt werden soll.

Yücel hat neben der türkischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft, deshalb wurde sein Fall in Deutschland breit diskutiert. Aber er ist nicht der erste Journalist, den die türkischen Behörden festgenommen haben. Mehr als 150 sitzen derzeit im Gefängnis. Gegen viele liegt keine konkrete Anklage vor, die Vorwürfe sind häufig vage formuliert: "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" oder "Unterstützung der Putschisten". Bei anderen kann man nur vermuten, dass die Verhaftung mit ihrer journalistischen Arbeit in Zusammenhang steht. Die Daten zeigen auch: Besonders nach dem gescheiterten Putsch im Sommer 2016 wurden massenhaft Journalisten festgenommen.

Der EU-Beitrittskandidat belegt auf der Liste der Pressefreiheit der NGO Reporter ohne Grenzen mittlerweile Platz 151 von 180, hinter Tadschikistan und nur ein Platz von der Demokratischen Republik Kongo.

ZEIT ONLINE dokumentiert die Fälle aller in der Türkei verhafteten Journalisten und, wenn es möglich ist, seit wann und aus welchen Gründen sie im Gefängnis sitzen.