Jetzt sind es schon mehr als drei Monate: Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel hatte sich am 14. Februar den Behörden gestellt, seitdem sitzt er in türkischer Haft. Yücels Anwälte sind Ende März vor das Verfassungsgericht in Ankara gezogen, um dort für die Freilassung des Welt-Korrespondenten zu kämpfen. Doch trotz aller juristischen und auch diplomatischen Bemühungen hat sich wenig bewegt.

Darüber hinaus sind in den vergangenen Wochen noch weitere Journalisten aus der Türkei und aus dem Ausland festgenommen worden und sitzen ohne Anklage in Haft.

Pressefreiheit - Lasst die Journalisten frei! Am Internationalen Tag der Pressefreiheit fordern Amnesty International und Reporter ohne Grenzen die Freilassung aller inhaftierten Journalisten. Hunderte sitzen wegen ihrer Arbeit in Haft – die meisten in der Türkei. © Foto: Sean Gallup/Getty Images

Am 30. April etwa wurde die aus Ulm stammende Journalistin Meşale Tolu von türkischen Beamten festgenommen. Spezialkräfte hatten ihre Wohnung in Istanbul gestürmt, mitten in der Nacht, vor den Augen ihres Sohnes. Am 6. Mai wurde Haftbefehl gegen Tolu erlassen. Zwei Tage später wurde der französische Fotograf Mathias Depardon im Südosten der Türkei festgenommen. Seine Kameras wurden konfisziert, Depardon in ein Lager für Flüchtlinge gebracht. Noch ist unklar, ob er festgehalten oder abgeschoben wird.

Mit Tolu und Depardon werden mehr als 160 Journalisten festgehalten. Gegen viele liegt keine konkrete Anklage vor, die Vorwürfe sind häufig vage formuliert: "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" oder "Unterstützung der Putschisten". Bei anderen kann man nur vermuten, dass die Verhaftung mit ihrer journalistischen Arbeit in Zusammenhang steht.

Der EU-Beitrittskandidat Türkei belegt auf der Liste der Pressefreiheit der NGO Reporter ohne Grenzen mittlerweile Platz 151 von 180.

ZEIT ONLINE dokumentiert die Fälle aller in der Türkei verhafteten Journalisten und, wenn es möglich ist, seit wann und aus welchen Gründen sie im Gefängnis sitzen.