"Tageslicht", "frische Luft", "Tee und Nescafé" – vor knapp zwei Wochen schrieb der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel einen Brief aus der Haftanstalt Istanbul-Metris. Es gehe ihm gut und er wolle all seinen Unterstützern danken, schrieb Yücel. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits Tausende Twitternutzer für seine Freilassung eingesetzt: Unter dem Hashtag #freedeniz forderten sie seine Freilassung. Yücel stellte sich am 14. Februar den Behörden und ist seither in Haft, daran haben auch die diplomatischen Bemühungen der Bundesregierung und der öffentliche Aufruf von Journalisten und Prominenten nichts geändert. Das Auswärtige Amt hat bislang keinen Zugang zu Yücel erhalten – obwohl der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım eine Betreuung durch deutsche Diplomaten zugesagt hatte.

Yücel hat neben der türkischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft, deshalb wurde sein Fall in Deutschland breit diskutiert. Aber er ist nicht der erste Journalist, den die türkischen Behörden festgenommen haben. Mehr als 150 sitzen derzeit im Gefängnis. Gegen viele liegt keine konkrete Anklage vor, die Vorwürfe sind häufig vage formuliert: "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" oder "Unterstützung der Putschisten". Bei anderen kann man nur vermuten, dass die Verhaftung mit ihrer journalistischen Arbeit in Zusammenhang steht. Die Daten zeigen auch: Besonders nach dem gescheiterten Putsch im Sommer 2016 wurden massenhaft Journalisten festgenommen. Der EU-Beitrittskandidat belegt auf der Liste der Pressefreiheit der NGO Reporter ohne Grenzen mittlerweile Platz 151 von 180, hinter Tadschikistan und nur ein Platz von der Demokratischen Republik Kongo.

ZEIT ONLINE dokumentiert die Fälle aller in der Türkei verhafteten Journalisten und, wo immer das möglich ist, seit wann sie im Gefängnis sitzen und warum.