Bei einem Angriff der islamistischen Taliban auf ein Lager der afghanischen Armee sind nach Angaben eines Militärsprechers mindestens 50 Soldaten getötet und 76 zum Teil schwer verletzt worden. Ziel der Attacke war demnach das im Norden von Afghanistan gelegene Camp Schahin. Das Lager befindet sich nur wenige Kilometer entfernt von der Hauptstadt der Provinz Balch, Masar-i-Scharif, wo die Bundeswehr ein Feldlager hat. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam kamen keine deutschen oder andere ausländische Soldaten zu Schaden.

Wie die afghanische Armee mitteilte, fuhren die mit Gewehren bewaffneten Angreifer mit drei Militärfahrzeugen vor. Am Eingangstor verschafften sie sich mit einer Rakete Zugang. Ihr erstes Ziel sei eine Moschee auf dem Gelände des weitläufigen Stützpunktes gewesen, in der sich gerade Militärangehörige zum Freitagsgebet versammelt hatten, hieß es. Die Extremisten hätten Uniformen getragen und in den Militärfahrzeugen zuvor drei Kontrollposten passiert. Es folgten stundenlange Gefechte, bei denen fast alle Angreifer erschossen worden seien. Ein weiterer wurde inzwischen festgenommen, das Gelände gesichert.

Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid teilte mit, die Angreifer hätten eine Explosion ausgelöst, durch die sich Selbstmordattentäter mit Gewehren Zugang zu dem Stützpunkt verschafft hätten. "Unsere Kämpfer haben der afghanischen Armee schwere Verluste zugefügt", sagte er. Mehr als 100 Soldaten seien getötet worden.

Balch gehört zu den eher sicheren Provinzen Afghanistans. Dort befindet sich die Kommandozentrale für den gesamten Norden des Landes. Seitdem die Nato den Kampf gegen die Taliban der einheimischen Armee überlassen hat, sind die internationalen Truppen nur noch zur Beratung und Ausbildung da. Von einst mehr als 5.000 deutschen Soldaten sind nur noch rund 950 übrig, die meisten davon in Masar-i-Scharif. In dem nun attackierten Camp Schahin sind im Rahmen des Nato-Einsatzes "Resolute Support" noch rund 70 ausländische Militärberater tätig, darunter auch deutsche Soldaten.

Der Angriff war der zweite dieser Art auf eine Militäreinrichtung in den vergangenen Wochen. Für die erste Attacke auf ein Militärkrankenhaus in Kabul Anfang März hatte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" verantwortlich erklärt. Damals wurden 49 Menschen getötet und 76 verletzt.   

Im vergangenen November hatten die Taliban einen schweren Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Scharif verübt. Damals fuhr ein Selbstmordattentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen in die Außenmauer des Komplexes, die durch die Wucht der Explosion zerstört wurde. Bei dem Anschlag wurden mehrere Afghanen getötet und mehr als 120 verletzt. Die Mitarbeiter des Konsulats blieben unversehrt.