Anschlag auf BVB - Beschuldigter wettete auf fallende BVB-Aktie Nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe handelte der festgenommene Tatverdächtige offenbar aus Habgier. Am Tag des Anschlags kaufte er Optionsscheine. © Foto: Christoph Schmidt/dpa

Nachdem am Freitagmorgen ein 28-jähriger Mann festgenommen worden war, der im Verdacht steht, aus Habgier den Anschlag auf die Fußballmannschaft von Borussia Dortmund am 11. April verübt zu haben, hat sich die Bundesstaatsanwaltschaft zu den Ermittlungsergebnissen geäußert. "Wir gehen davon aus, dass der Beschuldigte verantwortlich ist für den Anschlag", sagte die Sprecherin der Bundesstaatsanwaltschaft, Frauke Köhler. Derzeit gebe es keine Hinweise auf mögliche Mittäter und Gehilfen. Der Festgenommene werde noch am Nachmittag dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt, der über einen Haftbefehl entscheidet.

Beamte der GSG 9 hatten den Tatverdächtigen im Raum Tübingen festgenommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vor. Den Ermittlern zufolge könnte Habgier das Motiv des Täters gewesen sein. Einen politischen Hintergrund scheint es demzufolge nicht zu geben. 

Der Tatverdächtige hat seit Juni 2016 als Elektriker in einem Heizwerk auf dem Gelände der Universitätsklinik Tübingen gearbeitet. Das bestätigte ein Sprecher des Energiekonzerns MVV in Mannheim ZEIT ONLINE. Das Heizwerk wird von einem Tochterunternehmen des Konzerns betrieben.

Die Ermittler sind durch auffällige Optionsgeschäfte auf die Spur des Verdächtigen gekommen. Diese hatte der Verdächtige am Tag des Anschlags, dem 11. April, getätigt. Insgesamt habe es sich um drei verschiedene Derivate auf die Aktie des BVB gehandelt, mit denen er auf fallende Aktienkurse gesetzt habe, sagte Köhler. Den Großteil habe er am Tag des Anschlags erworben. Die Optionsscheine habe er über einen Computer innerhalb des Mannschaftshotels von Borussia Dortmund geordert – dort hatte sich der Verdächtige einquartiert. Für den Kauf habe der Beschuldigte einen Verbraucherkredit in Höhe von mehreren 10.000 Euro aufgenommen.

Die Ermittlungen konzentrierten sich nun auf die Auswertung von Kommunikationsmitteln und auf die Frage, um was für einen Sprengstoff es sich konkret gehandelt habe, sagte Köhler am Freitag. Diese Frage sei noch nicht beantwortet, weil der verbaute Sprengstoff bei den Explosionen "vollständig umgesetzt worden" sei, was die Untersuchungen aufwendig mache.

Durchsuchungen in vier Städten

Im Kontext der Anschlagsermittlungen waren Ermittler am Freitag in vier baden-württembergischen Städten im Einsatz. Dabei handelt es sich um Freudenstadt, wo der Hauptwohnsitz des Verdächtigen liegt, sowie Rottenburg am Neckar, Tübingen und Haiterbach im Landkreis Calw, wie das Landesinnenministerium in Stuttgart mitteilte. In Rottenburg am Neckar gibt es nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa eine Wohnung, die der Festgenommene häufig genutzt haben soll, ohne aber dort gemeldet gewesen zu sein. In Tübingen arbeitete der 28-Jährige, in dem kleinen Ort Haiterbach soll eine Freundin oder Ex-Freundin des Tatverdächtigen wohnen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die Festnahme des Verdächtigen als "großen Erfolg". Jetzt gehe es darum, Beweise zu sichern und mögliche Hintergründe aufzuklären. Wenn sich jemand dadurch bereichern wolle, dass er die Börsenkurse beeinflusse, indem er Menschen umbringe, sei dies eine "besonders widerwärtige Form der Habgier" und erfülle voll den Mordparagrafen, sagte der Innenminister.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) nannte die Festnahme eine "gute Nachricht für den Fußball". Sie zeige auch, wie wichtig es sei, in alle Richtungen zu ermitteln. Das mutmaßliche Motiv sei "verwerflich".

Am 11. April waren in Dortmund neben dem Mannschaftsbus des BVB drei Sprengsätze explodiert, als sich die Spieler auf dem Weg zu der Champions-League-Partie gegen den AS Monaco befanden. Der Spieler Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt. Das Spiel wurde verschoben.