Eine Woche ist vergangen, seit drei Bomben neben dem Mannschaftsbus des Fußball-Erstligisten Borussia Dortmund detoniert sind. Metallstifte waren bis zu hundert Meter weit herumgeflogen, hatten den Bus beschädigt, einer hatte sich sogar in eine Kopfstütze gebohrt. Ein Spieler und ein Polizist waren verletzt worden. Die Polizei hatte nach der Tat drei gleichlautende Bekennerschreiben gefunden, die nicht eindeutig einem bestimmten Täterkreis zugeordnet werden konnten. Das war alles, was man am Morgen nach der Tat wusste.

Sieben Tage später hat sich an diesem Erkenntnisstand nichts geändert. Zwar tauchten weitere Bekennerschreiben auf, die wahlweise linksextremistische oder rechtsextremistische Täter vermuten ließen. Sie stellten sich jedoch alle als falsch heraus. Es wurde auch darüber berichtet, dass es sich bei dem Sprengstoff um Material aus Beständen der Bundeswehr handeln könnte. Diese Vermutung wies das ermittelnde Bundeskriminalamt jedoch zurück. Zu spekulieren, ob die Bomben, eine Sekunde früher gezündet, Tote und Schwerverletzte gefordert hätte, bleibt müßig. Dass die Sprengsätze konstruiert waren, um Menschen zu töten, war von Anfang an offensichtlich.

Die Ermittler der Generalbundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamts schweigen. Das BKA sagt offiziell gar nichts, alle öffentliche Kommunikation laufe über den Generalbundesanwalt. Die Ermittlungen seien "dynamisch", sagte ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft. Sobald es etwas Wesentliches zu berichten gebe, werde man eine Pressekonferenz einberufen. Spekulationen kommentiere man nicht.

Die Ermittler tun gut daran. Gute Polizeiarbeit zeichnet sich aus durch Geduld und Akribie. Die Ermittler haben am Tatort eine große Zahl von Spuren gesichert. Sie auszuwerten braucht Zeit: Um was für einen Sprengstoff, um was für Zünder handelt es sich genau, woher bekommt man sie? Wie waren die Bomben genau konstruiert, welche Kenntnisse und welches Werkzeug benötigt man dafür? Woher kamen die Metallstifte? Die Bomben wurden offenbar mit einem Handy ferngezündet. Wessen Mobiltelefone waren zum Zeitpunkt der Tat in der entsprechenden Funkzelle eingeloggt? Finden sich Spuren an den Bombenresten, am Boden des Tatorts, an Bäumen oder an der Hecke, hinter der die Sprengsätze versteckt waren – Spuren, die einem Täter zugeordnet werden könnten? Was sagt die Sprache der Bekennerschreiben über ihren Verfasser aus? Woher stammt das Papier, auf welchem Gerät wurde es bedruckt? Wer hat sich wann im Umfeld des Mannschaftshotels aufgehalten, um vielleicht den Tatort auszukundschaften?

Fragen wie diese lassen sich noch Dutzende stellen. Die Ermittler werden jeder einzelnen nachgehen. Um einige zu klären, stellen Polizisten an diesem Dienstag den Hergang des Geschehens noch einmal am Tatort nach. Offen bleibt bis auf Weiteres, ob es sich um eine Tätergruppe handelt oder um einen Einzeltäter, ob die Attentäter aus dem linken oder rechten politischen Spektrum stammen, islamistisch motiviert sind oder kriminell.