Es ist eine Geste für die Trauernden, wenn nach einem Terroranschlag das Brandenburger Tor in den Farben des betroffenen Landes angestrahlt wird. Doch nach dem Angriff auf die U-Bahn von St. Petersburg blieb es dunkel in Berlin. Schon gibt es die ersten Reaktionen, die das Ausbleiben der Solidaritätsbeleuchtung für Russland als Teil eines neuen Kalten Kriegs darstellen. Dabei ist der aktuelle Fall durchaus nicht die einzige Ausnahme.

Das nationale Wahrzeichen gehört dem Land Berlin, der Bürgermeister beziehungsweise die Senatsverwaltung entscheiden also, welches Licht auf das Tor geworfen wird. Nach Anschlägen geht es um Mitgefühl und auch darum, in der Hauptstadt einen Ort für die Trauer zu schaffen, heißt es. In der jüngeren Vergangenheit entschied man sich in Berlin siebenmal für diese Geste: Paris, Brüssel, Orlando, Berlin selbst mit dem Attentat auf dem Breitscheidplatz, Istanbul, Jerusalem und zuletzt London waren die Anschlagsorte. In allen Fällen wurden die Nationalflaggen, im Falle Orlandos, wo ein LGBT-Club angegriffen wurde, die Regenbogenflagge auf das Brandenburger Tor projiziert.

Nach dem Anschlag in Russland entschied man sich gegen die Beleuchtung. Die Begründung eines Senatssprechers: St. Petersburg sei keine Partnerstadt von Berlin. Davon solle nur in Ausnahmefällen abgewichen werden. Es gibt laut einem Bericht des rbb nämlich einen Leitfaden, der regeln oder zumindest eingrenzen soll, wann die Geste erfolgt und wann nicht. Der Regierende Bürgermeister hatte die Entscheidung getroffen, grundsätzlich nur noch bei Attentaten in Partnerstädten so zu reagieren.

Die Kritik an einem dunkel bleibenden Brandenburger Tor ist nicht neu: Als ein Neonazi im kanadischen Québec sechs Menschen in einer Moschee erschoss, erstrahlte in Berlin nicht die kanadische Flagge. Schnell waren die Kommentare da: Seien die Täter Islamisten, zeige man Mitleid mit den Opfern; seien die Opfer Muslime, bleibe das Mitgefühl aus. Nach Anschlägen in Nizza wurde allerdings ebenfalls nicht beleuchtet. Konsequent wird die Regel "Solidarität nur für Partnerstädte" jedoch nicht eingehalten. Jerusalem und Orlando, für die in Berlin das Brandenburger Tor angestrahlt wurde, sind keine Partnerstädte. "Orte, zu denen Berlin eine besondere Beziehung hat" sind sie für den Senat. Für St. Petersburg gilt das offenbar nicht.

SPD-Politiker Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums und ehemaliger Ministerpräsident Brandenburgs, sieht diese besondere Beziehung allerdings gegeben. In der rbb-Sendung Brandenburg aktuell kritisiert er die Entscheidung. St. Petersburg sei die russische Stadt, die mit Abstand am meisten im Zweiten Weltkrieg gelitten habe. Bei der zweieinhalbjährigen Belagerung durch die deutschen Truppen seien über eine Million Menschen ums Leben gekommen. Dies wäre ein weiterer Anlass gewesen, wegen der besonderen Beziehung zu St. Petersburg das Brandenburger Tor nach dem Anschlag mit den russischen Farben anzustrahlen, sagte Platzeck.