Bonner Hauptbahnhof - Lebenslange Haft wegen Anschlagsversuch Im Prozess um den gescheiterten Bombenanschlag im Bonner Bahnhof sind die Angeklagten zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Der Hauptangeklagte erhielt lebenslänglich. © Foto: Meike Böschemeyer/dpa

Im Mammutprozess um den gescheiterten Bombenanschlag im Bonner Hauptbahnhof und ein vereiteltes Attentat auf einen Politiker der rechten Partei Pro NRW ist das Urteil gesprochen worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht folgte dem Antrag der Bundesanwaltschaft und verurteilte den Hauptangeklagten Marco G. zu lebenslanger Haft, zudem stellte es die besondere Schwere seiner Schuld fest. Eine Entlassung aus der Haft nach 15 Jahren ist dadurch ausgeschlossen. Drei weitere Angeklagte sollen wegen der Beteiligung an einem Mordkomplott gegen einen rechtsradikalen Politiker zwischen neuneinhalb und zwölf Jahre ins Gefängnis.

Alle vier Angeklagten wurden wegen Verabredung zum Mord und Bildung einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Die Verteidiger hatten für alle Angeklagten Freisprüche beantragt.

Die vier Männer – neben dem 29-jährigen Hauptangeklagten handelt es sich um Enea B. (46), Koray D. (28) und Tayfun S. (27) – mussten sich seit zweieinhalb Jahren vor Gericht verantworten. Die Anklage hatte ihnen vorgeworfen, ein Mordkomplott gegen den Chef der rechtsextremen Splitterpartei Pro NRW geplant zu haben. Im März 2013 sollen sie nach Leverkusen gefahren sein, um den Mann zu erschießen.

Wegen des Anschlagsversuchs in Bonn stand Marco G. jedoch allein vor Gericht. Er soll im Dezember 2012 am Gleis 1 des Bahnhofs eine Sporttasche mit einer Rohrbombe abgestellt haben, die jedoch nicht explodierte. Polizisten machten die Bombe mit einem Wassergewehr unschädlich. Weil kein Zünder an der mit Sprengstoff gefüllten Rohrbombe entdeckt wurde, argumentierten die Verteidiger, es habe sich lediglich um eine Bombenattrappe gehandelt. Die Bundesanwaltschaft war dagegen von einem Konstruktionsfehler ausgegangen. Das Gericht verurteilte ihn zusätzlich wegen versuchten Mordes.

In dem Verfahren wurden rund 30 Sachverständige und fast 160 Zeugen gehört, der langwierige Prozess zählte 155 Verhandlungstage. Nachdem beim Hauptangeklagten Marco G. Rasierklingen und eine Stichwaffe in der Zelle gefunden worden war, waren die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal erheblich verschärft worden. Der Staatsschutzsenat unter Vorsitz von Richter Frank Schreiber hatte es zudem mit widerspenstigen Angeklagten zu tun. Allein Marco G. sammelte 161 Tage Ordnungshaft wegen ungebührlichen Verhaltens.