Was wir sicher wissen

  • Am Abend des 11. April gegen 19.15 Uhr detonierten drei Sprengsätze nahe dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund. Das Team hatte sich gerade von seinem Hotel auf den Weg zum Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco gemacht.
  • Die Sprengsätze waren hinter einer Hecke versteckt. Sie waren mit Metallstiften bestückt, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen übernommen hat. Einer der Metallstifte bohrte sich in die Kopfstütze eines Bussitzes. Bombensplitter seien bis zu hundert Meter weit geflogen.
  • Splitter einer Scheibe des Mannschaftsbusses verletzten den BVB-Spieler Marc Bartra an der Hand und am Arm. Er wurde noch am Abend erfolgreich operiert. Auch ein Polizist wurde verletzt, der dem Bus auf einem Motorrad vorausfuhr.
  • Am 21. April ließ die Generalbundesanwaltschaft im Raum Tübingen einen Deutschrussen festnehmen. Er ist 28 Jahre alt, arbeitete in der Universitätsklinik als Techniker und ist ein ausgebildeter Elektronikfachmann.
  • Der Verdächtige mietete sich nach Angaben der Ermittler am 11. April im Mannschaftshotel L'Arrivée in einem Zimmer mit Blick auf den Tatort ein. Von diesem Zimmer aus zündete er die drei Sprengsätze. Den Zündmechanismus betätigte er nach Erkenntnissen der Ermittler ferngesteuert mit einem elektronischen Schalter.
  • In der Nähe des Tatorts fand die Polizei drei gleichlautende, vermeintliche Bekennerschreiben. Der darin angedeutete islamistische Hintergrund der Tat stellte sich als falsch heraus.
  • Nach Angaben der Ermittler hatte der Verdächtige 15.000 sogenannte Put-Optionen in Bezug auf die Aktie von Borussia Dortmund gekauft. Dazu hatte er einen Verbraucherkredit in Höhe von 40.000 Euro aufgenommen. Die Optionen kaufte er vom Hotel aus. Der Verdächtige spekulierte darauf, dass durch die Folgen des Anschlags auf die Mannschaft der Aktienkurs fällt, was ihm Gewinne in sechsstelliger Höhe eingebracht hätte.
  • Die Ermittler gingen zunächst von einem terroristischen Hintergrund aus. Die Bundesanwaltschaft hatte zuerst gegen zwei Verdächtige "aus dem islamistischen Spektrum" ermittelt, einen 28 Jahre alten Deutschen und einen Iraker. Die Wohnungen der beiden Verdächtigen wurden durchsucht. Die Generalbundesanwaltschaft teilte später jedoch mit, dass sich der Verdacht gegen den Deutschen nicht erhärtet habe.
  • Der verdächtige Iraker ist 26 Jahre alt. Er wurde festgenommen, ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes erließ Haftbefehl gegen ihn.Die Ermittler fanden keinen Beleg dafür, dass der Mann am Anschlag auf die Mannschaft des BVB beteiligt war. Er sei aber dringend verdächtig, Mitglied der Terrororganisation "Islamischer Staat" zu sein. Er soll im Irak eine Einheit von etwa zehn Personen angeführt haben, deren Aufgabe es war, Menschen zu entführen, zu erpressen und Tötungen vorzubereiten. Der Mann lebt seit Anfang 2016 in Deutschland und soll weiterhin Kontakte zu IS-Mitgliedern gepflegt haben.
  • Der IS hat sich nicht zu dem Dortmunder Anschlag geäußert.

Was wir nicht sicher wissen

  • Unklar ist weiterhin, woher der verwendete Sprengstoff kam und ob er militärische Qualität hatte.

Was sich als falsch herausgestellt hat

  • Ein angebliches Bekennerschreiben aus der linksextremistischen Szene schätzen die Ermittler als Fälschung ein. Es enthält keinerlei Täterwissen und verwendet Schreibweisen, die in der linksextremistischen Szene unüblich sind. Der Generalbundesanwalt hat nach Aussage seiner Sprecherin "erhebliche Zweifel" an der Echtheit des Dokuments. Gleiches gilt für ein angebliches rechtsextremistisches Bekennerschreiben, das am Samstag nach der Tat beim Tagesspiegel in Berlin einging.
Anschlag auf BVB-Bus - Dortmund-Fans unter Schock Nach dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus reagieren Fußballfans betroffen. Die Polizei geht von einem gezielten Anschlag aus, die Ermittlungen laufen. © Foto: Raphaëlle Logerot, Erik Klein, Philipp Sadzik, Larissa Rausch, Patrick Stollarz / AFPTV/BVB-TV/SID TV / AFP