Nach dem Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund haben Beamte der GSG9 einen Tatverdächtigen im Raum Tübingen festgenommen. Es handelt sich um einen 28-jährigen Deutsch-Russen, teilte die Bundesanwaltschaft mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Den Ermittlern zufolge könnte Habgier das Motiv des Täters sein.b Laut Bundesanwaltschaft wollte er den Wert der BVB-Aktie manipulieren, um mit fallenden Kursen Geld zu verdienen. Einen extremistischen Hintergrund scheint es demzufolge nicht zu geben. 

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen versuchten Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vor. Insgesamt sind an den Ermittlungen mehrere hundert Beamte des Bundeskriminalamtes sowie der nordrhein-westfälischen und der baden-württembergischen Polizei beteiligt.

Den Ermittlungen zufolge soll der Verdächtige auf fallende Kurse Borussia Dortmunds nach dem Anschlag spekuliert haben. Er habe am 11. April – dem Tag des Anschlags gegen den BVB-Bus mit zwei Verletzten – 15.000 Verkaufsoptionen für die BVB-Aktie erworben. Die Papiere hätten eine Laufzeit bis zum 17. Juni. Der Kauf wurde laut Ermittlern über einen Onlineanschluss des Mannschaftshotels abgewickelt, von dem aus der Bus mit den Spielern unmittelbar vor dem Anschlag zum Champions-League-Hinspiel gegen den AS Monaco abgefahren war.

Mit einem erheblichen Kursverfall wäre zu rechnen gewesen, wenn wegen des Anschlags Spieler schwer verletzt oder sogar getötet worden wären. Der Verdächtige sei wie die Mannschaft Gast im Mannschaftshotel gewesen und habe dort bereits am 9. April ein Zimmer im Dachgeschoss mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen.

Der 28 Jahre alte Verdächtige wohnt laut nordrhein-westfälischen Innenministerium in Freudenstadt im Schwarzwald. Er sei seit dem 13. April – zwei Tage nach dem Rohrbombenanschlag auf den BVB-Bus mit zwei Verletzten – per Haftbefehl wegen 20-fachen versuchten Mordes und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion gesucht worden.

Einsatz in Rottenburg

Unterdessen ist die Spurensicherung im Zusammenhang mit den Anschlagsermittlungen in einem Wohnhaus im baden-württembergischen Rottenburg am Neckar im Einsatz. "Der Verdächtige ist nicht in Rottenburg gemeldet", sagte der Erste Bürgermeister der Stadt, Thomas Weigel (parteilos). In dem Haus wohnt Weigel zufolge eine Familie, die wohl nichts mit dem Fall zutun habe. In welchem Zusammenhang die Polizeiaktion mit dem Tatverdächtigen steht, war zunächst unklar. "Im Laufe der Woche haben die Sicherheitsbehörden nach einem Grundriss des Gebäudes gefragt", sagte Weigel.

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hofft nun auf schnelle Aufklärung. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Präsident Reinhard Rauball bedankten sich in einer Mitteilung bei den Ermittlern und äußerten ihre Hoffnung, dass der "Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag" nun tatsächlich gefasst sei. Ähnlich wie die Führungskräfte reagierten die Spieler des Vereins mit Erleichterung auf die Nachrichten von ersten Ermittlungserfolgen. "Für alle, die im Bus saßen, wären diese Informationen wichtig, denn sie würden den Verarbeitungsprozess deutlich erleichtern", sagte BVB-Kapitän Marcel Schmelzer.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die Festnahme des Verdächtigen als "großen Erfolg". Jetzt gehe es darum, Beweise zu sichern und mögliche Hintergründe aufzuklären, so de Maizière. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv."

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) nannte die Festnahme eine "gute Nachricht für den Fußball". Sie zeige auch, wie wichtig es sei, in alle Richtungen zu ermitteln, erklärte Jäger in Düsseldorf. Das mutmaßliche Motiv sei "verwerflich".

Am 11. April waren in Dortmund neben dem Mannschaftsbus des BVB drei Sprengsätze explodiert, als sich die Spieler auf dem Weg zu der Champions-League-Partie gegen den AS Monaco befanden. Der Spieler Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt. Das Spiel wurde verschoben.