In der Debatte um die fehlende Beleuchtung des Brandenburger Tors nach dem Anschlag auf eine U-Bahn-Station in St. Petersburg am Montag hat Dresden reagiert: Die Stadt solidarisierte sich mit seiner russischen Partnerstadt und strahlte den Kulturpalast am Dienstagabend in den Farben Russlands an. Das Gebäude, das in den sechziger Jahren gebaut wurde und sich in unmittelbarer Nähe des Altmarkts befindet, wurde von 20 bis 24 Uhr in blauen, roten und weißen Farben beleuchtet.

Neben dieser symbolischen Geste haben sächsische Politiker außerdem ihre Solidarität mit Russland bekundet: In einem Kondolenzschreiben an Russlands Präsidenten Wladimir Putin schrieb der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), dass man "in besonderer Weise mit dem Schicksal der Menschen in St. Petersburg verbunden" sei. Dresden und St. Petersburg sind seit 1961 Partnerstädte.

Durch die Beleuchtung des Kulturpalasts in Dresden und die Kondolenzbekundungen setzt sich die Debatte um die Nichtbeleuchtung des Brandenburger Tors fort: Die Stadt Berlin hatte darauf verzichtet, das Wahrzeichen in den Farben Russlands anzustrahlen und war damit in die Kritik geraten.

Der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck (SPD), sagte dem Deutschlandfunk, dass ein solcher symbolischer Akt den Menschen ein Gefühl der Nähe und Solidarität hätte vermitteln können. Angesichts der vielen Kriegstoten im früheren Leningrad gebe es sehr wohl einen besonderen Bezug zu St. Petersburg, sagte der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sprach sich dafür aus, künftig ganz auf die Trauerbeleuchtung zu verzichten. "Jede Entscheidung für eine Beleuchtung des Brandenburger Tors wirkt inzwischen faktisch als Entscheidung gegen eine andere", schrieb Lederer auf seiner Facebookseite. Jeder Beleuchtung wohne außerdem "ein willkürliches Moment" inne. Man laufe Gefahr, dass "jeder offizielle Gedenkakt inflationiert", wenn er "nicht mehr die Ausnahme ist", schrieb Lederer. Lederers Aufforderung, das Wahrzeichen für St. Petersburg ein letztes Mal anzustrahlen, konnte sich nicht durchsetzen.

Ein Senatssprecher hatte das Ausbleiben der Beleuchtung mit der Tatsache, dass St. Petersburg keine Partnerstadt von Berlin sei, begründet. Das Anstrahlen des Berliner Wahrzeichens bleibe weiterhin Städtepartnerschaften und Orten mit besonderem Bezug zu Berlin vorbehalten, sagte eine Senatssprecherin am Dienstag. Es sei derzeit nicht vorgesehen, die Regelung zu ändern.

Bei dem Bombenattentat in der U-Bahn auf dem Weg vom Technologie-Institut zum Sennaja-Platz wurden 14 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Inzwischen wurde ein 23-jähriger Russe mit kirgisischen Wurzeln als mutmaßlicher Täter identifiziert.

In der jüngeren Vergangenheit entschied man sich in Berlin siebenmal für die Beleuchtung des Brandenburger Tors: Nach den Anschlägen in Paris, Brüssel, Orlando, Berlin selbst, Istanbul, Jerusalem und zuletzt London wurden die Nationalflaggen – im Falle Orlandos, wo ein LGBT-Club angegriffen wurde, die Regenbogenflagge – auf das Brandenburger Tor projiziert.