Wie konnte sich ein deutscher Bundeswehrsoldat ohne Arabisch-Kenntnisse erfolgreich als syrischer Flüchtling ausgeben und eine offenbar schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereiten? Die Festnahme des 28-jährigen Oberleutnants Franco A. im bayerischen Hammelburg hat zahlreiche und vor allem auch heikle Fragen aufgeworfen. Viele staatliche Stellen sind in dem Fall involviert, den Beamten hätte auffallen können, das etwas nicht stimmt mit dem angeblichen Flüchtling, der im mittelfränkischen Zirndorf registriert war.

Die Polizei hatte den Soldaten bei einem Bundeswehr-Lehrgang für Einzelkämpfer festgenommen. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen eines geplanten Terroranschlags äußerte er sich vor dem Haftrichter bislang nicht. Sein Motiv soll Fremdenfeindlichkeit gewesen sein. Auch sein mutmaßlicher Komplize, ein 24 Jahre alter Student aus Offenbach, sitzt in Untersuchungshaft.

Die Ermittler werfen dem mutmaßlichen Komplizen Verstöße gegen das Waffen-, das Kriegswaffenkontroll- und das Sprengstoffgesetz vor. In seiner Wohnung seien unter anderem Gewehrpatronen gefunden worden, berichtete die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Vor dem Haftrichter habe er angegeben, die Patronen von dem Soldaten erhalten zu haben. Die Ermittler haben Hinweise, dass auch er einen fremdenfeindlichen Hintergrund hat.

Nach Informationen von ZEIT ONLINE durchsuchten Beamte vom Staatsschutz des Bundeskriminalamtes (BKA) am vergangenen Mittwoch unter anderem auch die Knüll-Kaserne im hessischen Schwarzenborn. Laut einem internen Informationsschreiben der Bundeswehr suchten die BKA-Beamten Beweise bei einem weiteren Soldaten, der allerdings bislang nur als Zeuge gilt. Demnach stellten sie bei ihm "zwei dienstliche Festplatten sowie ein privates Mobiltelefon" sicher.

Die Kaserne liegt etwa eine Autostunde von einer Flüchtlingsunterkunft in Gießen entfernt. Dort hatte sich der beschuldigte Bundeswehrsoldat am 30. Dezember 2015 erstmals als syrischer Flüchtling ausgegeben. Später ging er nach Zirndorf, wo er in einer weiteren Erstaufnahmeeinrichtung erstmals offiziell registriert wurde. Dort hat der Mann dann auch einen Asylantrag gestellt.

Wie kurios und erschreckend der Fall ist, zeigen die bisherigen Ermittlungsergebnisse: Es wird geprüft, ob der Mann einen Anschlag plante, der so aussehen sollte, als hätte ihn ein Flüchtling verübt. Denn ausgerechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) bewilligte dem Mann – der kein Arabisch und nur gebrochen Französisch sprach – später den sogenannten subsidiären Schutzstatus. Scheinbar war niemandem aufgefallen, dass der Mann nicht aus Syrien stammen konnte. Das Bamf will sich dazu wegen "des laufenden Ermittlungsverfahrens" nicht äußern.