Die Polizei hat einen Bundeswehrsoldaten wegen Terrorverdacht festgenommen. Der Soldat soll sich als syrischer Flüchtling ausgegeben und deshalb Leistungen bezogen haben, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Die Bundeswehr bestätigte die Festnahme.

Der 28-jährige Oberleutnant wollte den Ermittlern zufolge eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereiten. Sein Motiv soll fremdenfeindlich gewesen sein. 

Festgenommen wurde der Soldat den Angaben nach während eines Lehrgangs im unterfränkischen Hammelburg. Er war im französischen Illkirch stationiert. "Nur weil er in Frankreich stationiert war, heißt es nicht, dass er sich täglich dort aufgehalten haben muss. Er konnte sich in der Freizeit frei bewegen", sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts.

Auf die Spur kamen ihm die Beamten zuerst am Flughafen Wien-Schwechat. Er soll sich vor einiger Zeit illegal eine Waffe besorgt haben, für die er keine Erlaubnis besaß. Die Pistole Kaliber 7,65 war Sicherheitskräften vor fast drei Monaten am Flughafen Wien bei einer Kontrolle aufgefallen. Es bestehe der Verdacht, dass er mit der dort versteckten scharfen Waffe eine schwere staatsgefährdende Straftat geplant habe, sagte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen.

Die Wiener Polizei sah keinen ausreichenden Grund für eine Verhaftung, nachdem sie die Waffe bei der Flughafenkontrolle entdeckt hatten. "Die österreichischen Behörden haben ein Verfahren eingeleitet wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, haben aber keinen Haftgrund gesehen, und deshalb ist er auch nicht in U-Haft gekommen", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Laut Welt zeigten die dem Mann abgenommenen Fingerabdrücke der Polizei, dass er unter anderem Namen als Asylbewerber registriert war.

Nach Darstellung der Ermittler führte der Soldat ein Doppelleben. Der Mann hatte sich demnach Ende Dezember 2015 in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen als syrischer Flüchtling registrieren lassen. Kurz darauf, im Januar 2016, stellte er im bayerischen Zirndorf einen Asylantrag, der laut einem Bericht der Zeitung Die Welt auch genehmigt wurde. Eine offizielle Bestätigung hierfür gibt es nicht. 

Dem Soldaten wurde anschließend ein Zimmer in einer Asylunterkunft zugeteilt. Seine deutsche Herkunft fiel bei der Registrierung offenbar nicht auf, obwohl er nach Informationen der Zeitung kein Arabisch sprach, sondern nur Französisch. Wie er Asyl erhielt, obwohl er sich als Syrer ausgab, ist unklar. "Wieso das nicht aufgefallen ist, vermag ich nicht zu sagen", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Befragungen von Asylbewerbern werden üblicherweise in der Muttersprache geführt. 

Gespräche mitgehört

In die möglichen Anschlagsplanungen soll ein 24 Jahre alter Student einbezogen gewesen sein. Er wurde ebenfalls festgenommen und einem Haftrichter vorgeführt. Auch bei ihm fanden die Ermittler Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund. Beide Männer stammen aus Offenbach und standen in Mail-Kontakt. Aus mitgehörten Sprachnachrichten habe sich ergeben, dass die beiden Männer eine rechtsextremistische Einstellung hatten, teilte die Staatsanwaltschaft mit und bestätigte damit Informationen von Spiegel Online.

Im Zusammenhang mit der Festnahme hatten 90 Polizeibeamte 16 Objekte in Deutschland, Österreich und Frankreich durchsucht, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Darunter die Wohnungen der beiden Beschuldigten und anderer Personen aus ihrem Umfeld sowie Diensträume der Bundeswehr. Die Ermittler hätten umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmt, vor allem Mobiltelefone, Laptops und schriftliche Unterlagen. In der Wohnung des Studenten fand die Polizei eigenen Angaben nach Sprengstoff, Waffen und Munition. 

Beteiligt waren Polizisten des Bundeskriminalamtes, der hessischen und bayerischen Landespolizei sowie österreichische und französische Sicherheitsbehörden.