Im Terrorprozess gegen die rechtsextreme Gruppe Freital hat einer der beiden mutmaßlichen Rädelsführer umfassend gestanden. Patrick F. räumte seine Beteiligung an allen fünf Taten ein, derer er angeklagt ist. Der 25-Jährige schilderte zudem ausführlich, welchen Anteil andere der Angeklagten gehabt hätten. Es sei schon eine Last, "das ewig mit sich rumzutragen", sagte er. Deshalb habe seine Entscheidung, sein bisheriges Schweigen zu brechen, auch schon länger festgestanden.

Der 25-Jährige Lagerlogistiker steht mit sieben weiteren Angeklagten unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung und versuchten Mordes vor dem Oberlandesgericht Dresden. Und nach Ansicht des Generalbundesanwalts ist er einer der beiden Rädelsführer der rechtsextremen Gruppe Freital, der insgesamt fünf Anschläge auf Flüchtlinge und politische Gegner zur Last gelegt werden.

Patrick F. bestätigte im Wesentlichen die in der Anklage erhobenen Vorwürfe. Dazu gehört auch die Vorgehensweise bei dem Überfall auf ein linkes Wohnprojekt in Dresden-Übigau, den die Gruppe Freital gemeinsam mit Neonazis von der Kameradschaft Dresden verübte: Die Angreifer hatten von der Straße her Scheiben eingeschlagen und Feuerwerkskörper in die Fenster geworfen, während vom Hinterhaus her große, mit Buttersäure präparierte Sprengkörper gezündet wurden. F. selbst gab laut Prozessbeobachtern zu, einen – in Deutschland wegen seiner Sprengkraft nicht zugelassenen – Böller  mit der Bezeichnung Kugelbombe gezündet zu haben. 

F. zeigte den Beobachtern zufolge keine Reue, aber auch keinen Stolz auf die Taten. Er ist der zweite Angeklagte, der aussagt. Bereits zu Prozessbeginn hatte sich der 19-Jährige Justin S. ausführlich zu den Taten geäußert. Er hatte dabei auch andere Angeklagte stark belastet. Die Angaben von F. decken sich weitgehend mit denen von S.

Der 25-Jährige schilderte zudem, wie er an einer Asylbewerberunterkunft in der Bahnhofstraße in Freital einen Sprengkörper platzierte. Das Fenster der Unterkunft stand demnach in gekippter Stellung, F. klemmte den – in Deutschland ebenfalls nicht zugelassenen – Böller vom Typ Cobra in den Schlitz und zündete ihn. Er habe die Tat allein begangen. Sein Motiv sei Ärger über angebliche Drogengeschäfte der Asylbewerber gewesen, sagte F. "Ich war dann ziemlich wütend."

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft Wilsdrufer Straße schilderte F., kurz gezögert zu haben, als er bemerkte, dass in den Erdgeschosswohnung Menschen waren. Offen blieb aber nach Angaben der Nebenklage, ob er zögerte, um nicht entdeckt zu werden oder ob er warten wollte, bis die Bewohner die Räume unmittelbar hinter den Fenstern verlassen haben – zu ihrem Schutz. Die Täter hatten vor drei Erdgeschossfenstern dieses Wohnhauses Sprengkörper platziert und gezündet. Dabei wurden sogar stellenweise die Fensterrahmen aus dem Mauerwerk gedrückt. 

Neben den Anschlägen und dem Überfall sind die acht Beschuldigten angeklagt, einen Anschlag auf das Büro eines Linkspartei-Politikers verübt zu haben. Zudem hatten sie der Bundesanwaltschaft zufolge seinen Golf in die Luft gesprengt. Der Vorschlag dazu sei "vom Herrn S." gekommen – offenkundig der ebenfalls als Rädelsführer angeklagte Timo S. Vor dem Anschlag auf das Büro des Politikers soll Timo S. gesagt haben: "Wir müssen mal wieder ausrasten." Auch wenn er sich laut F. dann nicht selbst daran beteiligte.

Die Freitaler Bürgerwehr attackierte dieses Haus mit Sprengsätzen. © Tilman Steffen

Die Täter hatten in Freital Helfer und Unterstützer. So steht ein NPD-Politiker unter Verdacht, die Angeklagten mit Hinweisen versorgt zu haben, wo Asylbewerber leben. Aber auch gegen weitere Personen aus dem Umfeld, zum Teil auch die Freundin eines Angeklagten wird in gesonderen Verfahren ermittelt.