Nach dem Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund ist Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen Sergej W. erlassen worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft mit. W. kommt damit in Untersuchungshaft. Ihm wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. 

Der 28-jährige Deutschrusse war eineinhalb Wochen nach dem Anschlag festgenommen worden. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft handelte er offenbar aus Habgier. W. habe mit dem Anschlag den Kurs der BVB-Aktien beeinflussen und von einem Kurssturz profitieren wollen.

Bei dem Anschlag am 11. April waren drei mit Metallstiften gefüllte Sprengsätze in der Nähe des BVB-Mannschaftsbusses explodiert, als sich das Team auf dem Weg zu der Champions-League-Partie gegen den AS Monaco befand. Der Spieler Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt. Den Ermittlungen zufolge soll der Tatverdächtige in dem Hotel selbst ein Zimmer mit Blick auf den späteren Anschlagsort gehabt haben. Zudem soll er den Großteil der Aktiengeschäfte am 11. April über die IP-Adresse des Hotels abgewickelt haben.

W. leistete Grundwehrdienst

Nach Spiegel-Informationen leistete W. 2008 seinen Grundwehrdienst beim Lazarettregiment in Dornstadt bei Ulm. Er soll unter anderem in einer Unterstützungseinheit für die Sanitäter der Bundeswehr tätig gewesen sein, die sich um die Instandsetzung der Elektrotechnik kümmerte. Während seiner dreimonatigen Grundausbildung wurde er auch – wie üblich – im Umgang mit Waffen geschult.

Die Ermittler gehen davon aus, dass W. allein handelte. "Nach unseren bisherigen Erkenntnissen haben wir keine Anhaltspunkte für mögliche Gehilfen oder Mittäter", sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler. Zu dem verwendeten Sprengsatz konnte sie noch keine genaueren Angaben machen.

BVB will frühere Polizisten der GSG 9 anwerben

Nach der Festnahme sind die Sicherheitsvorkehrungen bei Borussia Dortmund noch einmal erhöht worden. Der Personenschutz sei "sehr deutlich" verstärkt worden, sagte BVB-Trainer Thomas Tuchel. Er habe ein "mulmiges Gefühl" wegen so viel schwerbewaffneter Polizei. "Aber das ist ein klares Zeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist."

Ihm persönlich gehe es aktuell sehr gut, er habe den Anschlag gut verkraftet, sagte Tuchel, der auch in dem von den Sprengsätzen getroffenen Mannschaftsbus saß. Aber das wage er nicht, für die Spieler zu sagen. "Der Anschlag ist ein krasser Einschnitt gewesen (...) Das wird uns noch eine Zeit begleiten."

Der Verein will auch selbst mehr Sicherheitspersonal einstellen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kündigte in der Süddeutschen Zeitung an, eine eigene Abteilung einrichten zu wollen. Dafür sollen auch ehemalige Mitarbeiter des Bundeskriminalamts oder der Spezialeinheit GSG 9 angeworben werden. "Ich habe in den letzten Tagen bereits Vorstellungsgespräche mit Sicherheitsexperten geführt, die wir dafür einstellen wollen, etwa mit früheren GSG-9- und BKA-Leuten", sagte Watzke. "Die Entwicklungen zwingen uns offenbar dazu, Sicherheitsmaßnahmen in ganz neuem Stil zu ergreifen."