Das Welternährungsprogramm muss seine Hilfe für 1,8 Millionen hungernde Menschen in Nigeria kürzen, sollten zugesagte Spenden der internationalen Gemeinschaft weiter ausbleiben. Das schreibt der stellvertretende humanitäre Koordinator der Vereinten Nationen, Peter Lundberg, in einem Beitrag für die französische Zeitung Le Monde.

Nur 15 Prozent des Betrags, den die UN in einem Hilfeappell für eine der derzeit schwersten humanitären Krisen genannt habe, sei bisher auch angekommen. Im nächsten halben Jahr würden 242 Millionen Dollar (228 Millionen Euro) benötigt, um den 1,8 Millionen Hungernden zu helfen. "Ohne ausreichende Finanzierung wird das Welternährungsprogramm seine lebenswichtige Unterstützung reduzieren müssen", schrieb Lundberg. Eine halbe Million Kinder im Nordosten Nigerias seien erheblich unterernährt.   

Diese Länder brauchen ausländische Lebensmittelhilfe

Nigeria gehört – neben Südsudan, Somalia und Jemen – zu den vier Ländern, die von der aktuellen Hungerkrise besonders schwer betroffen sind. Ursachen sind die schwere Trockenheit in Ostafrika und bewaffnete Konflikte. Den Vereinten Nationen zufolge gefährdet der Hunger das Leben von bis zu 20 Millionen Menschen.

Die deutsche Regierung hat kürzlich angekündigt, mehr Geld für die Nothilfe in Afrikas Dürregebieten zu geben. Auch Privatleute spenden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) lobte die Hilfsbereitschaft der Deutschen – doch der Bedarf an Spenden für die Hungernden sei weiterhin sehr groß, wie DRK-Präsident Rudolf Seiters der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Karsamstag sagte. "Wenn wir jetzt nicht helfen, droht die größte humanitäre Katastrophe seit Jahrzehnten." Die Hungersnot werde erst im Sommer ihren Höhepunkt erreichen. "Das heißt, wir brauchen einen langen Atem."

Auch Seiters beklagte ein zu geringes Engagement der internationalen Staatengemeinschaft. Es sei "beschämend", wenn nur acht der 195 Länder, die in den Vereinten Nationen vertreten seien, 90 Prozent der internationalen Hilfsmittel aufbrächten, und sich die übrigen Staaten deutlich zurückhielten. Die Vereinten Nationen haben 193 Mitgliedsstaaten, zwei weitere haben den Status eines ständigen Beobachters.