Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat neue Details zu dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund genannt. Vor dem Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtages sagte Jäger, die Sprengsätze seien hochprofessionell gebaut gewesen. "Die Sprengkraft war enorm."

Er sagte weiter, dass in alle Richtungen ermittelt werde. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Täter gewaltbereite Fußballfans seien. Laut NRW-Verfassungsschutz sind die drei identischen Bekennerschreiben, die am Tatort gefunden wurden, keiner einzelnen extremistischen Richtung zweifelsfrei zuzuordnen. Deshalb werde in Richtung Links- und Rechtsextremismus sowie Islamismus ermittelt, sagte der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, Burkhard Freyer.

In Hinblick auf Islamismus sagte er, es fehlten arabische Floskeln. Am Ende des Textes würden außerdem Forderungen gestellt, die eher untypisch für die Terrormiliz "Islamischer Staat" sein sollen. "Der IS verhandelt nicht", sagte Freyer. Der oder die Täter hätten weitere Anschläge angekündigt, sagte Innenminister Jäger. "Das nehmen wir sehr ernst."

Zweifel an IS-Täterschaft

Der Unions-Innenexperte Stephan Mayer zweifelt an einer Täterschaft des IS. Der Rheinischen Post sagte der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, es spreche viel dafür, "dass die tatsächlichen Täter mit den angeblichen drei IS-Bekennerschreiben eine falsche Fährte legen wollten".

Der Anschlag passe nicht in das bisherige Muster des IS. Bisher sei es immer sein Ziel gewesen, möglichst viele Opfer zu treffen; auf bestimmte Personengruppen wie Politiker, Sportler oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sei es ihnen bislang nicht angekommen. Außerdem habe es bislang bei keinem Anschlag des IS ein Bekennerschreiben am Tatort gegeben, sagte der CSU-Politiker.

Am Dienstagabend waren drei Sprengsätze mit Metallstiften in der Nähe des Mannschaftsbusses von Borussia Dortmund explodiert. Dabei wurden der Dortmunder Fußballer Marc Bartra und ein Polizist verletzt, das Spiel wurde auf Mittwoch verlegt. Ein Iraker war bei den anschließenden Ermittlungen festgenommen worden.

Haftbefehl gegen Iraker – jedoch nicht wegen des Anschlags

Gegen ihn wurde mittlerweile Haftbefehl erlassen. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft geht es dabei allerdings nicht um die Detonationen in Dortmund. In dieser Sache hätten die Ermittlungen bislang keine Belege ergeben.

Vielmehr werde dem Verdächtigen vorgeworfen, sich dem IS im Irak angeschlossen zu haben. Er soll dort das Kommando einer Einheit von etwa zehn Personen geführt haben. Aufgabe seiner Einheit sei es gewesen, Entführungen, Verschleppungen, Erpressungen und auch Tötungen vorzubereiten. Der Iraker soll auch selbst für die Vereinigung gekämpft haben. 

Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Mann im März 2015 in die Türkei aus und von dort Anfang 2016 weiter nach Deutschland gereist sein. Auch von Deutschland aus habe  er weiterhin Kontakte zu Mitgliedern des IS gehalten.

Auch der zweite Mann, der im Visier der Ermittler war, steht nicht mehr unter Verdacht. "Der Tatverdacht hat sich nicht erhärtet", sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Es gebe keine Hinweise, dass der Mann in die Tat verwickelt sei. Im Verdacht war neben dem festgenommenen Iraker ein 28-jähriger Deutscher aus Fröndenberg im Kreis Unna. Die Wohnungen beider Männern waren durchsucht worden.