Die türkische Polizei hat einem Bericht zufolge fünf mutmaßliche Anhänger des sogenannten "Islamischen Staates" (IS) in Istanbul festgenommen. Die Männer stehen demnach im Verdacht, einen großen Anschlag beim Referendum am Sonntag geplant zu haben.

Wie die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, startete die Polizei in verschiedenen Stadtteilen Istanbuls drei Einsätze gleichzeitig, weil sie Hinweise auf die Vorbereitung eines "spektakulären" Anschlags vor dem Referendum erhalten habe. Unter den Festgenommenen sei ein tadschikischer Staatsbürger, der in Konfliktregionen gereist sei und für den IS in Istanbul arbeiten soll, meldete Anadolu.

Der IS hatte in der letzten Ausgabe der Zeitschrift Al-Naba zu Angriffen auf Wahllokale in der Türkei aufgerufen. Zu wählen bedeute, gegen Gott zu sein, hieß es dort. Muslimische Wähler seien "Ungläubige".

Am Sonntag sollen die Türken über eine Verfassungsänderung abstimmen, die die Befugnisse von Präsident Recep Tayyip Erdoğan stark ausweiten würde. Die Abstimmung findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. In den vergangenen Tagen wurden zahlreiche mutmaßliche IS-Sympathisanten sowie Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) festgenommen.

In der Türkei waren durch Anschläge des IS in den vergangenen Monaten viele Menschen gestorben. In der Neujahrsnacht etwa hatte ein IS-Anhänger bei einem Anschlag auf den Istanbuler Nachtclub Reina 39 Menschen getötet.

Terroranschläge in der Türkei

  • 5. Januar 2017

    Mindestens 11 Menschen wurden bei einer Explosion vor dem Gerichtsgebäude in Izmir verletzt, darunter auch Polizisten. Hinter dem Anschlag wird die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK vermutet.

  • 1. Januar 2017

    Während eines Anschlags auf den Istanbuler Nachtclub Reina werden mindestens 39 Menschen getötet, darunter 16 Ausländer.

  • 19. Dezember 2016

    Der russische Botschafter Andrej Karlow wird in Ankara von einem türkischen Polizisten niedergeschossen. Die Regierung verdächtigt die Gülen-Bewegung, hinter dem Attentat zu stecken.

  • 17. Dezember 2016

    In der zentraltürkischen Stadt Kayseri sterben durch einen Selbstmordanschlag mindestens 13 Soldaten. Der Attentäter hatte eine Autobombe neben einem Bus mit Militärangehörigen gezündet. Auch hierzu bekennt sich die TAK.

  • 10. Dezember 2016

    Nach einem Fußballspiel im zentralen Istanbuler Stadtteil Beşiktaş töten zwei Selbstmordattentäter der TAK 45 Menschen, die meisten von ihnen Polizisten.

  • 4. November 2016

    Vor dem Polizeihauptquartier in Diyarbakır werden neun Menschen getötet. Die Regierung macht die PKK verantwortlich, doch es bekennt sich der IS. Auch die TAK reklamiert die Tat für sich. Zu der Explosion war es kurz nach den Festnahmen von zwölf Abgeordneten der prokurdischen HDP gekommen.

  • 9. Oktober 2016

    In der südosttürkischen Provinz Hakkâri bringt ein Attentäter einen mit Sprengstoff beladenen Kleinlaster vor einem Kontrollposten der Gendarmerie zur Explosion. Bei dem Selbstmordanschlag der PKK sterben 18 Menschen.

  • 26. September 2016

    Bei drei Anschlägen der PKK im Südosten des Landes werden insgesamt 17 Menschen getötet, 14 weitere verletzt. Ziel der Angriffe mit Sprengfallen und Bomben waren türkische Soldaten.

  • 12. September 2016

    Eine Autobombe explodiert vor der Zentrale der Regierungspartei AKP in Van. 48 Menschen werden verletzt. Die Regierung macht die PKK verantwortlich.

  • 26. August 2016

    Ein PKK-Attentäter sprengt sich vor dem Polizeipräsidium in Cizre im kurdischen Südosten der Türkei in die Luft und reißt elf Polizisten in den Tod.

  • 17. August 2016

    Durch eine Anschlagserie der PKK auf Sicherheitskräfte im Südosten des Landes werden mindestens 9 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt.

  • 20. Juli 2016

    Ein IS-Attentäter tötet auf einer kurdischen Hochzeitsgesellschaft in Gaziantep im Südosten der Türkei 57 Menschen, darunter 34 Kinder.

  • 28. Juni 2016

    Durch einen dreifachen Selbstmordanschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen werden 48 Menschen getötet und mehr als 200 Menschen verletzt. Die Regierung macht den IS verantwortlich.

  • 8. Juni 2016

    Die Explosion einer Autobombe tötet vier Menschen vor einem Polizeirevier in Midyat im Südosten der Türkei, 30 weitere werden verletzt. Zu der Tat bekennt sich die PKK.

  • 7. Juni 2016

    Durch einen Bombenanschlag werden im historischen Zentrum Istanbuls elf Menschen getötet, darunter sieben Polizisten. Zu dem Anschlag bekennt sich die TAK.

  • 19. März 2016

    Auf der beliebten İstiklâl-Einkaufsstraße im Zentrum von Istanbul reißt ein Selbstmordattentäter vier ausländische Touristen – drei Israelis und einen Iraner – mit in den Tod. Die Behörden vermuten den IS hinter der Tat.

  • 13. März 2016

    Mindestens 34 Menschen werden bei der Explosion einer Autobombe im Zentrum von Ankara getötet, Dutzende verletzt. Auch dazu bekennt sich die TAK.

  • 17. Februar 2016

    Bei einem Anschlag mit einer Autobombe auf einen Militärkonvoi in der Hauptstadt Ankara werden 28 Menschen getötet. Eine radikale Splittergruppe der kurdischen PKK bekennt sich zu dem Anschlag: Die Freiheitsfalken Kurdistans, kurz TAK.

  • 12. Januar 2016

    Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Touristengruppe im Zentrum Istanbuls werden zwölf Deutsche getötet. Die Regierung gibt dem IS die Schuld für den Anschlag vor der Blauen Moschee.

  • 10. Oktober 2015

    Während einer Friedenskundgebung vor dem Hauptbahnhof in Ankara reißen zwei Selbstmordattentäter des IS 103 Menschen in den Tod. Mehr als 500 Menschen werden verletzt.

  • 8. September 2015

    Ein Minibus mit Polizisten wird von PKK-Kämpfern mit einem Sprengstoffanschlag angegriffen. Es sterben 14 Polizisten, zwei werden verletzt

  • 6. September 2015

    Kurdische Rebellen verüben zwischen Dağlıca und Yüksekova einen Sprengstoffanschlag auf einen Konvoi des türkischen Militärs. 16 Soldaten werden getötet und sechs weitere verletzt.

  • 10. August 2015

    Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in Istanbul werden drei Menschen getötet, ein Polizist und zwei Angreifer.

  • 20. Juli 2015

    34 Menschen werden bei einem Anschlag auf junge kurdische Aktivisten in Suruç an der Grenze zu Syrien getötet. Die Regierung macht die Terrorgruppe "Islamischer Staat" für die Tat verantwortlich.