Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat ihr Jahrbuch Sucht 2017 veröffentlicht, in dem sie über den Drogenkonsum der Deutschen und die Sucht nach Tabak, Alkohol und illegale Drogen informiert. Demnach trinken Bundesbürger unverändert oft Alkohol, greifen aber deutlich seltener zur klassischen Zigarette. Noch rund 920 Fertigzigaretten rauchte jeder Einwohner statistisch gesehen im vergangenen Jahr, rund 100 weniger als 2012.

Lesen Sie alles über die Risiken von und den Umgang mit Drogen im ZEIT-ONLINE-Schwerpunkt "Wie gefährlich ist der Rausch?".

Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene rauchten demnach deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Stark wächst aber bereits seit Längerem die Nachfrage nach Pfeifentabak, etwa für Wasserpfeifen. E-Zigaretten hingegen nutzt kaum einer. 

Alkohol ist weiterhin das beliebteste und zugleich gefährlichste und schädlichste Rauschmittel. Auf jeden Bundesbürger kam nach aktuellen Schätzungen im Jahr 2015 knapp ein Putzeimer reinen Alkohols: Das sind 9,6 Liter. Den Konsum in Deutschland bezeichnen die Jahrbuch-Autoren im internationalen Vergleich als "besonders hoch". 74.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen ihres Alkoholkonsums und den Erkrankungen, die dadurch entstehen. Mehr als drei Millionen Erwachsene leiden insgesamt an einer alkoholbezogenen Störung – 1,7 Millionen sind abhängig, bei 1,6 Millionen Menschen trinken Mengen, die deutlich gesundheitsschädlich sind.

© Mary Turner/Getty Images
Wie Ihnen Alkohol weniger schadet

Wie Ihnen Alkohol weniger schadet

Alkohol? Gibt es überall, fast jeder trinkt. Meist mehr, als einem gut tut. Sieben Tipps, wie sie die schlimmsten Folgen vermeiden können.

Laden …

Alkohol-Tipps

Das sind unsere Quellen

Laden …

ZEIT ONLINE arbeitet mit dem Global Drug Survey zusammen, der weltweit größten Umfrage unter Drogennutzern. Mehr als 70.000 Alkoholtrinker gaben an, wie sie negative Folgen zu verringern versuchen. Zusammen mit Suchtexperten sind daraus Tipps zum Konsum entstanden.

Laden …
Laden …

#1 – Besser sein lassen ...

... machen aber nur die wenigsten.

Keine Droge gehört so selbstverständlich dazu wie Alkohol. Selbst Jugendliche kommen trotz Verbot leicht an Bier, Wein und Schnaps. 1,3 Millionen Deutsche sind abhängig, 9,5 Millionen übertreiben es meist, 74.000 sterben jährlich an den Folgen.

Laden …

Der männliche Körper verträgt Alkohol besser. Er hat prozentual mehr Muskelzellen. Deshalb wird mehr Wasser gebunden als im weiblichen Körper. Trinkt ein Mann die gleiche Menge wie eine Frau, verdünnt sich der Alkohol stärker. Allerdings: Männer neigen deutlich häufiger zum Rauschtrinken.

Laden …
Laden …

Als häufig übersehenes Problem führt der Report Arzneimittelabhängigkeit an. 1,2 bis 1,5 Millionen Deutsche sollen Schätzungen zufolge davon betroffen sein. Die Zahl derjenigen, die Medikamente nehmen, etwa um wach zu bleiben, ihre Leistungsfähigkeit zu steigern oder abzunehmen – schätzen die Experten als ebenso groß ein. Damit stehe Medikamentensucht auf Platz zwei aller Abhängigkeiten: nach Tabak, aber vor Alkohol.

Jedes Jahr werden in Deutschland allein etwa rund 150 Millionen Packungen unterschiedlichster Schmerzmittel verkauft. Allerdings seien rund 70 Prozent davon frei in Apotheken erhältlich. Oft würden Patienten, die bereits Schmerzmittel von Ärzten verschrieben bekommen haben, zusätzliche Medikamente kaufen. Dies kann zu unangenehmen Neben- und Wechselwirkungen führen. Grundsätzlich bedenklich sei laut Jahrbuch Sucht, dass auch mehr besonders stark wirkende Schmerzmittel verschrieben würden. Auch in Fällen, in denen sie nicht notwendig sind.

Betroffen sind vor allem ältere Menschen, die meist eine Vielzahl von Arzneimitteln zu sich nehmen, ohne zu wissen, was die schädlichen Folgen sein können.

Mortler kämpft gegen Zigarettenwerbung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU) nutzte die Vorstellung des Berichts um erneut ein Verbot der Tabakaußenwerbung zu fordern. Es soll nach dem Willen Mortlers noch vor der Bundestagswahl im September kommen. "Professionell gemachte Tabakwerbung wirkt. Sie prägt das Image des Rauchens und suggeriert Jugendlichen, Rauchen sei eine saubere und harmlose Sache", begründete Mortler.

Seit dem vergangenen Frühjahr existiert ein Gesetzentwurf gegen die Tabakaußenwerbung, doch dieser wurde immer wieder aufgeschoben, weil es in der Unionsfraktion sowie in Teilen der SPD Widerstand gibt. Vor allem die Werbewirtschaft und die Kommunen fürchten deutliche Einnahmeverluste.

Die Drogenbeauftragte verwies darauf, dass jährlich 120.000 Tabaktote immenses Leid für die Familien bedeuteten. Außerdem verursache Rauchen immense Kosten für Unternehmen und das Gesundheitssystem. "Es kann doch nicht sein, dass wir mit ein paar Millionen Euro im Jahr Aufklärungsarbeit zu den Gefahren des Rauchens in Schulen machen, es aber zulassen, dass die Tabakwirtschaft im gleichen Zeitraum ein Vielfaches dieses Betrags in Außenwerbung investiert, die genau das Gegenteil bezweckt", sagte Mortler.