Die Schiffe der deutschen Hilfsorganisation im Mittelmeer Jugend rettet befinden sich nach eigenen Angaben nicht mehr in Seenot. Alle Geretteten seien an ein anderes Schiff übergeben worden, twitterte die Organisation. Die Iuventa, die mit mehreren Hundert Flüchtlingen an Bord vor der Küste Libyens in Seenot geraten war, mache sich auf den Weg nach Malta.

Am Sonntag hatte die Organisation auf Facebook mitgeteilt, dass die Iuventa mit 400 aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlingen komplett überfüllt gewesen sei und dringend Hilfe gebraucht habe. Man sei "komplett navigationsunfähig" und habe das Notsignal Mayday an die zuständige zentrale Seenotrettungsleitstelle MRCC in Rom gesendet, hatte es geheißen. "Wir sind nicht mehr in der Lage, die Situation alleine zu stemmen!"

Der Kapitän der Iuventa, Kai Kaltegärtner, hatte gesagt: "Wenn keine Hilfe kommt, werden wir Leute verlieren." Denn die Geretteten befinden sich auf dem offenen Deck des Schiffes. Die Iuventa ist seit Sommer 2016 im Mittelmeer unterwegs und kreuzt seit Anfang März vor der libyschen Küste.

Ähnlich erging es am Montag einem weiteren Schiff, der Sea-Eye aus Regensburg, die mit 210 geretteten Flüchtlingen in unruhiger See überladen war. Nach den Notrufen kamen ihr andere Schiffe zur Hilfe. Für zehn Flüchtlinge sei aber jede Hilfe zu spät gekommen. "Sie sind mit Sicherheit ertrunken, weil sie keine Schwimmwesten hatten", sagte der Sprecher der Initiative Sea Eye, Hans-Peter Buschheuer, am Montag.

In den vergangenen Tagen retteten Schiffe der italienischen Küstenwache sowie private Hilfsorganisationen laut Medienberichten mehrere Tausend Menschen aus zum Teil völlig überfüllten Booten. Offenbar nimmt mit Beginn des Frühlings die Zahl der Menschen wieder zu, die von der afrikanischen Küste über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen.

Die Hilfsorganisation SOS Méditerranée sprach auf Twitter von einer "dramatischen Situation" und einem "absoluten Notfall". Sie forderte Unterstützung bei der Suche nach Schiffbrüchigen und der Rettung auf dem Mittelmeer. "Wo waren die Frontex-Schiffe, als ein Rettungsschiff einer NGO Unterstützung brauchte, um Tausende Leben zu retten? Wo war die EU?", twitterte die Organisation Ärzte ohne Grenzen. Die Nichtregierungsorganisationen fordern von der EU ein Seenotrettungsprogramm. 

Transparenzhinweis: Jugend Rettet wurde vom Publikum des Z2X-Festivals im September 2016 ausgezeichnet. ZEIT ONLINE hat das Festival organisiert.