Die Kinderarmut in Deutschland ist angestiegen – und zwar zuletzt überwiegend durch die starke Zuwanderung minderjähriger Flüchtlinge, die zumeist unter der Armutsgrenze leben müssen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Demnach wuchs der Anteil der als arm geltenden Kinder innerhalb der Gruppe der "selbst eingewanderten Minderjährigen" von 2011 bis 2015 von 35,7 Prozent auf 48,9 Prozent an. Dies lege nahe, dass "der gesamte Zuwachs der Kinderarmut auf das hohe Armutsrisiko" auf diese Zuwanderung zurückzuführen sei, sagte WSI-Studienautor Eric Seils.

Dazu passen laut Seils zwei Entwicklungen: So habe sich zum einen das Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren wurden, seit Einsetzen der Flüchtlingszuwanderung kaum verändert. Zum anderen sei die Quote bei Kindern ohne Migrationshintergrund zuletzt sogar geringfügig von 13,7 auf 13,5 Prozent zurückgegangen. "Der Anstieg der Kinderarmut durch die Flüchtlingseinwanderung ist damit an den einheimischen Kindern spurlos vorübergegangen", sagte Seils.

Das Armutsrisiko der eingewanderten Kinder und Jugendlichen sei zwar enorm hoch, sagte Seils. "Kurzfristig kommt es aber vor allem darauf an, dass sie nun in Sicherheit sind." Längerfristig sei das jedoch nicht ausreichend. Die Herausforderung bestehe nun darin, die Eltern dieser Kinder zu Löhnen und Bedingungen in Arbeit zu bringen, die der gesamten Familie ein Leben über der Armutsgrenze und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichten. "Das geht nur mit intensiver Qualifizierung." 

Laut der WSI-Untersuchung stieg die Kinderarmutsquote insgesamt zwischen 2014 und 2015 um 0,7 Punkte auf 19,7 Prozent. Damit lebten laut der Untersuchung mehr als zweieinhalb Millionen Kinder in Haushalten, die als arm oder armutsgefährdet gelten. Zu dieser Gruppe werden Haushalte gezählt, deren Einkommen sich auf weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beläuft. Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Armutsschwelle im Jahr 2015 bei einem verfügbaren Nettoeinkommen von weniger als 1.978 Euro im Monat.

Dabei sind die Armutsquoten regional sehr unterschiedlich. Am stärksten verbreitet ist die Kinderarmut laut den Berechnungen der Experten in Bremen mit 34,2 Prozent, in Berlin mit 29,8 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern mit 29 Prozent.