Bei einem Bootsunglück vor der griechischen Insel Lesbos sind mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch zwei Kinder. Nach Angaben der griechischen Küstenwache haben Schiffe der Hafenbehörde, der türkischen Küstenwache und der EU-Grenzschutzagentur Frontex die Leichen geborgen. Bislang gerettet wurden zwei Frauen, unter ihnen eine Hochschwangere. Ihren Angaben zufolge ist ihr Schlauchboot mit etwa 25 Menschen an Bord auf der Überfahrt gekentert. Das Unglück ereignete sich wenige Seemeilen vor der Hafenstadt Mithymna im Norden der Insel.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR kam eine der geretteten Frauen aus dem Kongo, die andere aus Kamerun. "Die Zahl der Menschen, die über die Ägäis nach Griechenland kommen, ist im vergangenen Jahr drastisch gesunken, aber dieser tragische Zwischenfall zeigt, dass die Gefahren und das Risiko, dabei das Leben zu verlieren, nach wie vor sehr real sind", sagte der Griechenland-Vertreter des UNHCR, Philippe Leclerc.

Während die Suche nach weiteren Überlebenden weiterging, harren auf den griechischen Ägäis-Inseln Tausende Migranten aus, die meisten unter widrigen Bedingungen. Am Wochenende hatte Papst Franziskus die Zustände in Flüchtlingsaufnahmezentren der EU mit scharfen Worten angeprangert. Viele von ihnen seien "Konzentrationslager, durch die Menge der Menschen, die sie dort drinnen lassen", sagte er bei einem Gottesdienst am Samstag in Rom. Namentlich erwähnte Franziskus das Zentrum auf Lesbos. Im April 2016 hatte er es besucht und anschließend mehrere Flüchtlingsfamilien persönlich nach Italien gebracht.

Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos ist auch durch den Hungerstreik von zwölf syrischen Flüchtlingen dort in den Schlagzeilen. Die Migranten kurdischer Abstammung traten am vergangenen Freitag aus Protest gegen ihre Lebensbedingungen in den Hungerstreik und wollen so auch eine schnellere Bearbeitung ihrer Asylanträge erwirken. Ihre Anträge waren in erster Instanz abgelehnt worden – in zweiter Instanz dauert das Verfahren meist noch mehrere Monate. Die Demonstranten harrten in Decken gewickelt vor den Büros der Asylbehörde in Moria aus, berichteten Mitarbeiter humanitärer Organisationen. 

Die Polizei wollte sich nicht zu dem Fall äußern. Aus Kreisen des griechischen Flüchtlingsstabs hieß es, es komme in den Lagern immer wieder zu Protesten, die in der Regel wenige Tag dauerten. 

In den Aufnahmezentren der Inseln in der Ostägäis leben derzeit rund 13.800 Flüchtlinge und Migranten. Die Anzahl der ankommenden Flüchtlinge war im April 2016 schlagartig zurückgegangen. Damals war der EU-Türkei-Flüchtlingspakt in Kraft getreten. Dieses Abkommen sieht im Kern vor, dass die Türkei die Migranten von der oft lebensgefährlichen Überfahrt abhält. Die EU kann wiederum alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen und kein Asyl erhalten, zurückschicken.