Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation "Jugend Rettet" ist vor der Küste Libyens in Seenot geraten. Die Iuventa sei mit 400 aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlingen komplett überfüllt und brauche dringend Hilfe, teilte die Organisation auf Facebook mit.  Man sei "komplett navigationsunfähig" und "nicht mehr in der Lage, die Situation alleine zu stemmen!"

Es befänden sich noch schätzungsweise 400 Menschen auf Schlauchbooten in unmittelbarer Nähe des Schiffs. Viele von ihnen seien Frauen, Schwangere und Kinder ohne Rettungswesten. Ein Unwetter drohe, die ohnehin schon angespannte Situation weiter zu verschärfen. Die Hilfsorganisation habe bereits ein Notsignal an die zentrale Seenotrettungsleitstelle MRCC in Rom gesendet.

Die Seenotrettungsstelle hatte bereits am Vormittag die Bundeswehr zu einer Rettungsaktion etwa 60 Kilometer nordwestlich von Tripolis vor die libysche Küste geschickt. Dort nahm das Schiff zunächst 124 Flüchtlinge auf, anschließend bei weiteren Einsätzen Hunderte weitere Hilfesuchende, die auf zivilen Schiffen, Schlauchbooten und einem Holzboot unterwegs waren. Ob es sich hierbei um die gemeldeten Flüchtlinge von der Iuventa handelt, konnte zunächst nicht festgestellt werden.

Insgesamt brachte die Marine am Samstag im Zuge der EU-Operation Sophia 1.181 Menschen in Sicherheit. In den vergangenen Tagen retteten Schiffe der italienischen Küstenwache sowie private Hilfsorganisationen weitere Tausend Menschen aus zum Teil völlig überfüllten Booten

Nach der Grünen-Bundesvorsitzenden Simone Peter ist das Mittelmeer zum Massengrab geworden. "Die unterlassene Hilfeleistung durch die EU-Mitgliedsstaaten bei der Seenotrettung auf dem Mittelmeer macht in den vergangenen Stunden erneut das politische Versagen deutlich", sagte sie. Zivile Einsatzkräfte seien "durch den Dauereinsatz" auf hoher See am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. "Frontex und die EU müssen umgehend Soforthilfe leisten, um weitere Tote zu verhindern."

Libyen gilt als eines der Hauptdurchgangsländer für Menschen, die auf der Flucht vor Armut, Hunger und Krieg nach Europa wollen. Die europäische Grenzschutzagentur Frontex teilte im Februar mit, je mehr Retter die internationale Gemeinschaft in die Gewässer vor Libyen sende, desto voller packten Schmuggler die nicht seetüchtigen Boote, weil sie davon ausgehen könnten, dass die Insassen vor der Küste von Frontex-Schiffen gerettet werden

Transparenzhinweis: Jugend Rettet wurde vom Publikum des Z2X-Festivals im September 2016 ausgezeichnet. ZEIT ONLINE hat das Festival organisiert.