Nach Überschwemmungen und Erdrutschen im Süden Kolumbiens ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 200 Menschen gestiegen. Das Militär hatte zunächst bereits von höheren Opferzahlen gesprochen. Etwa 220 Menschen würden aber auch noch vermisst werden, teilte das Rote Kreuz mit und nannte zudem mehr als 200 Verletzte. Rund 300 Familien seien von der Katastrophe betroffen.

Die Behörden bildeten einen Krisenstab. Militär, Polizei und Rettungskräfte suchten nach den Vermissten. Dabei müssten Hunderttausende Tonnen von Schutt und Schlamm weggeräumt werden, sagte Carlos Iván Márquez von der Katastrophenschutzbehörde des Landes. Wasser- und Schlammmassen trafen 17 Viertel der Stadt Mocoa, sagte Márquez. Die Verbindung auf dem Landweg nach Mocoa ist wegen der Zerstörung von zwei Brücken unterbrochen.

Präsident Santos kündigte einen Besuch in Mocoa an. Über Twitter teilte er mit, dass er die Hilfs- und Bergungsarbeiten beaufsichtigen wolle. Seine Anwesenheit am Unglücksort werde die Aufmerksamkeit auf die Opfer lenken, um die jetzt ganz Kolumbien trauere. Santos sagte seine geplante Kuba-Reise ab, um in das Katastrophengebiet zu reisen.     

"Uns fehlt Personal, um den Opfern zu helfen"

Heftige Regenfälle hatten in der Region Putumayo im Süden Kolumbiens Flüsse über die Ufer treten lassen. Dabei kam es zu Erdrutschen, die ganze Wohnviertel im Katastrophengebiete verschwinden ließen, sagte Gouverneurin Sorrel Aroca. Angesichts der hohen Zahl von Verletzten könne die medizinische Versorgung in Mocoa nicht mehr gewährleistet werden: "Uns fehlt Personal, um den Opfern der Tragödie zu helfen", sagte sie dem Radiosender Caracol.

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, er habe die Nachrichten und Bilder mit Erschrecken gesehen. "Mit mir sind heute viele Deutsche in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und bei den Frauen und Männern, die sich noch in Gefahr befinden und auf Rettung hoffen." Er wünsche den Rettungskräften "viel Kraft und Glück bei ihrer schwierigen Aufgabe in dieser extremen Situation".

In Mocoa leben etwa 40.000 Menschen. Der Ort war durch die Regenfälle von Strom und Leitungswasser abgeschnitten. Mocoa liegt in der Nähe der Grenze zu Ecuador, etwa 630 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Bogotá entfernt.