Kairo hatte sich herausgeputzt. Überall auf den Straßen waren Reinigungskolonnen mit Besen und Müllsäcken unterwegs. Die Nilinsel Zamalek, wo Papst Franziskus in der Vatikanischen Nuntiatur übernachtete, war so sauber wie seit Jahrzehnten nicht mehr. "Der Papa Vaticano sollte öfters herkommen", sagte ein älterer Ägypter im Vorbeigehen.

Ganze 27 Stunden hatte sich das katholische Oberhaupt in Kairo aufgehalten. Es war eine Reise, die vor allem die christlich-islamischen Beziehungen stärken und den vom Terror erschütterten koptischen Mitchristen Mut zusprechen sollte. Und die dann vor allem zeigte, wie angespannt die Sicherheitslage derzeit ist.

Das wurde vor allem am Samstag, dem zweiten Tag von Franziskus' Besuch, deutlich. Seine Messe musste er in einem Stadion der Luftwaffe abhalten. Kaum hatte Franziskus die Gläubigen begrüßt, ratterte ein Apache-Kampfhubschrauber über die Köpfe hinweg. Ganze Teile des Evangeliums und der Predigt wurden vom Rotorenlärm gestört, alle drei Minuten flog eine der schwarzen Kampfmaschinen hinter dem Altarzelt vorbei. Eine Friedensbotschaft inmitten von Militärmaßnahmen.

Es war die wohl angespannteste Messe eines Papstes im Nahen Osten in den vergangenen 20 Jahren. Das Sportgelände vor den Toren der ägyptischen Hauptstadt glich einer Militärfestung. Polizeiposten säumten alle fünfzig Meter die Ausfallstraßen. Denn die ägyptische Regierung wollte unter keinen Umständen riskieren, dass nach den Selbstmordattentaten von Tanta und Alexandria nun auch während des Papstbesuches etwas passiert.

Alle, die ins Stadion wollten, mussten ihre Handys abgeben. Selbst beim Besuch des US-Präsidenten Barack Obama 2009 in Kairo hatte es so etwas nicht gegeben. Draußen vor den Toren türmten sich reihenweise Pappkartons, alle bis zum Rand gefüllt mit Smartphones. Drinnen beim Gottesdienst gab es für die Gläubigen kein Erinnerungsfoto mit dem Papst – wohl zum ersten Mal seit Erfindung der sozialen Medien.

Franziskus schien die gedämpfte Stimmung zu spüren. Schon beim Einzug in die halbvolle Sportarena wirkte er erschöpft und etwas gequält. Seine Stimme bei der anschließenden Liturgie klang brüchig und müde. Zwei Dutzend Sicherheitskräfte schirmten den 80-Jährigen ab. Dicke Eisengitter vor den Tribünen hielten die winkenden und jubelnden Menschen auf Distanz.

Papamobil vor halbleeren Rängen

Der Funke zwischen den von überall her angereisten Christen und ihrem sonst so kontaktfreudigen vatikanischen Oberhaupt wollte dann auch nicht richtig überspringen. Die Stadionrunde mit dem weißen Elektrocart wurde von den Organisatoren kurzerhand halbiert, damit der Pontifex nicht minutenlang an völlig leeren Rängen vorbeifahren musste. Die Hälfte der 20.000 Plätze blieb unbesetzt. Unzählige Gläubige im ganzen Land, die sich um Karten beworben hatten, waren leer ausgegangen.

In seiner Predigt warb Franziskus für eine "Kultur des Dialogs, des Respekts und der Brüderlichkeit". Alle Frömmigkeit nutze nichts, wenn sie nicht von tiefem Glauben und Nächstenliebe inspiriert und belebt werde. Der einzige erlaubte Extremismus für Gläubige sei die Nächstenliebe, sagte er. Jegliche andere Art von Extremismus "kommt nicht von Gott und gefällt ihm nicht". Die ägyptischen Christen rief der Papst – drei Wochen nach den Terroranschlägen mit 46 Toten – zur Feindesliebe auf. Dies sei die Stärke der Christen und ihr Schatz.

"Wir lieben diesen Papst"

Worte, die bei den Besuchern anzukommen schienen. Viele rechneten es dem Papst hoch an, dass er in dieser Situation überhaupt nach Ägypten gekommen ist. "Wir lieben diesen Papst", sagte Mirna Essameldin, eine junge Koptin, die vor allem die bescheidene und menschliche Ausstrahlung des Pontifex schätzt. "Mit ihm beten wir für Frieden im Nahen Osten, vor allem in Syrien, aber auch in Ägypten. Die klaren Worte haben uns gut getan."

"Ich fahre froh nach Hause", sagte Makarios Michel, der seit 28 Jahren als koptischer Pfarrer in Assiut arbeitet. Dort gibt es immer wieder Probleme zwischen Christen und salafistischen Hardlinern. Er habe jedoch auch muslimische Freunde, erzählt er. Und die beneideten ihn jetzt: "Weil ich einen Papa wie Franziskus habe."