Drei Tage vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat ein bewaffneter Angreifer auf der Champs-Élysées in Paris einen Polizisten getötet. Zwei weitere Polizisten wurden nach Angaben des Innenministeriums schwer verletzt. Eine Touristin soll laut Polizei durch einen Splitter leicht verletzt worden sein. Ihre Nationalität wurde nicht mitgeteilt. Der Angreifer sei erschossen worden.

Frankreichs Präsident François Hollande sprach im Fernsehen von Hinweisen auf einen "terroristischen Hintergrund" der Tat. Seine Gedanken seien bei den Angehörigen des getöteten Polizisten und der Verletzten. Hollande kündigte eine nationale Gedenkfeier für den getöteten Beamten und für Freitagmorgen ein Treffen des Sicherheitskabinetts an. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl am Sonntag sagte er: "Wir werden absolute Wachsamkeit zeigen, insbesondere im Hinblick auf den Wahlprozess." Kanzlerin Angela Merkel sprach Hollande ihr Beileid aus. Ihr Mitgefühl gelte den Opfern und ihren Familien, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. US-Präsident Donald Trump sagte, die Schüsse auf die Polizisten sähen aus wie ein weiterer Terroranschlag. "Es hört nie auf", sagte Trump.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte den Angriff über ihr Propagandasprachrohr Amak für sich. Die Antiterrorabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm nach eigenen Angaben die Ermittlungen. Nach ersten Erkenntnissen habe es nur einen Angreifer gegeben, wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte. Das gehe aus ersten Zeugenaussagen hervor. Der Angreifer war mit einem Sturmgewehr bewaffnet, sagte Staatsanwalt François Molins. Die Identität des Mannes sei geklärt, Molins gab sie aber noch nicht bekannt. Er sei den Behörden als Extremist bekannt gewesen, teilte die Pariser Polizei mit. Die Ermittler wollten nun klären, ob der Mann Unterstützer hatte.

Es soll sich um einen 39 Jahre alten Franzosen handeln, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise. Die Behörden durchsuchten Berichten mehrerer Medien zufolge eine Wohnung im Verwaltungsbezirk Seine-et-Marne im Osten von Paris, in der der Mann zuletzt gewohnt haben soll.

Kandidaten sagen Wahlkampfauftritte ab

Laut Innenministerium hielt gegen 21 Uhr ein Auto nahe der Metro-Station Franklin Roosevelt neben einem Polizeiwagen, ein Insasse des Autos habe das Feuer eröffnet und einen Polizisten getötet. Anschließend habe er versucht, zu Fuß zu fliehen und dabei auf weitere Polizisten geschossen. Die Beamten hätten ihn niedergeschossen. Die Champs-Élysées war am späten Abend weiträumig abgesperrt, ein Hubschrauber kreiste darüber. Mehrere Metro-Stationen wurden laut dem Pariser Nahverkehrsunternehmen RATP geschlossen.

"Das ist natürlich ein Drama für die Polizei, ein Drama für unser Land", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet. Premierminister Bernard Cazeneuve und alle Präsidentschaftsbewerber drückten auf Twitter seine Anteilnahme mit den Polizisten und ihren Familien aus.

Sendung unterbrochen

Frankreich wählt am Sonntag im ersten Wahlgang einen neuen Präsidenten. Während der Schüsse lief die Vorstellungsrunde der Kandidaten für die Präsidentenwahl, bei der sich die elf Frauen und Männer noch einmal erklären konnten. Die Sendung wurde für die Berichterstattung über den Angriff kurz unterbrochen.

Es gelten deutlich verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Landesweit sind Tausende Polizisten und Soldaten der Antiterroreinheit im Einsatz. Seit den Anschlägen vom November 2015 gilt der Ausnahmezustand.

Der konservative Kandidat François Fillon und die Rechtspopulistin Marine Le Pen kündigten an, ihre geplanten Wahlkampfauftritte abzusagen. Auch Präsident Hollande sagte nach Angaben seines Umfeldes einen für Freitag geplanten Besuch in der Bretagne ab.