Zu Ostern postete der Unterwäschehersteller Palmers ein Foto auf Facebook. Sechs Frauen liegen auf einem Teppich, dazu der Spruch: "Unsere Osterhöschen". Vielen gefiel diese Art der Werbung nicht. Die österreichische Fernsehmoderatorin Corinna Milborn fühlte sich gar an Szenen aus dem Menschenhändler-Milieu erinnert und kritisierte das. Die Folge: Sie wurde daraufhin öffentlich sexistisch beleidigt von Felix Baumgartner, der einst für Red Bull aus dem All auf die Erde sprang. Als Reaktion auf diesen Angriff postete Corinna Milborn ein Video und lud ihn in ihre Talk-Sendung ein. Ihre Botschaft wurde hunderttausendfach angesehen.

ZEIT ONLINE: Frau Milborn, was interessiert Sie eigentlich an Felix Baumgartner?

Corinna Milborn: Ja gar nichts eigentlich. Ich habe mit ihm noch nie zu tun gehabt. Ich habe ihn bislang nur peripher mitbekommen, als er damals seinen Sprung aus dem All auf die Erde gemacht hat. Ansonsten fällt er in letzter Zeit eher mit provokanten Postings auf Facebook auf. Meistens geht es dabei um Frauenfeindlichkeit und Anti-Political-Correctness.

ZEIT ONLINE: Und er hat 1,4 Millionen Facebookfans.

Milborn: Ja, darüber war ich echt erstaunt und vor allem darüber, welche Resonanz er damit erzeugen kann.

ZEIT ONLINE: Jetzt hat sich Herr Baumgartner auf seinem Facebookprofil zu Ihnen geäußert. Sinngemäß wirft er Ihnen vor, Sie würden aus Neid auf schlanke Frauen eine Unterwäschewerbung unzulässig kritisieren. Wie haben Sie davon überhaupt mitbekommen?

Das Posting von Felix Baumgartner auf Facebook © Screenshot ZEIT ONLINE (20. April 2017)

Milborn: Eine Freundin von mir hatte das Posting geteilt. Ich hatte ihr erst gesagt, sie soll es bitte einfach wieder löschen, weil wir uns damit gar nicht erst auseinandersetzen müssen. Ich hatte dann den ganzen Tag über Meetings. Ich habe noch einen Job zu tun. Erst durch mehrere Anrufe von Boulevardzeitungen und immer mehr Qualitätsmedien habe ich dann mitbekommen, was das für eine Dimension annimmt.

ZEIT ONLINE: Sie haben sich dann entschlossen, doch zu reagieren und haben ein Video aus Ihrer Redaktion gepostet, in dem Sie Herrn Baumgartner ein frauenfeindliches Bild vorwerfen, ihn aber zugleich in Ihre Sendung zur Diskussion einladen.

Milborn: Ich hatte erst allen Medien mitgeteilt, natürlich sage ich nix dazu. Den Anstoß hat dann meine 17-jährige Tochter gegeben. Sie wollte Herrn Baumgartner unbedingt auf Facebook antworten. Ich sagte ihr, mach das nicht. Auf so was antwortet man nicht. Ich habe dann aber noch mal nachgedacht und für mich festgestellt, dass seine Äußerung eine Art der Herabwürdigung ist, die Frauen dauernd passiert.

ZEIT ONLINE: In welcher Form?

Milborn: Das ist diese Art, nicht auf den Inhalt einzugehen, den eine Frau sagt. Stattdessen werden Frauen auf einer körperlichen Ebene beleidigt. Ein Mechanismus, um Frauen den Platz zuzuweisen, den sie im Kopf von Leuten wie Felix Baumgartner haben. Als Dekorationsobjekt, das den Mund halten soll. Wenn das Objekt den Dekorationsrichtlinien von Herrn Baumgartner nicht entspricht, sollte es am besten komplett von der Bildfläche verschwinden. Das wollte ich so nicht stehen lassen, sondern mit ihm diskutieren und habe ihn in meine Sendung eingeladen.

ZEIT ONLINE: Was glauben Sie, was Herrn Baumgartner zu einer solchen Äußerung bewegt?

Milborn: Es ist sicher nicht meine Figur, denn die interessiert ihn nicht. Er kennt mich ja nicht. Das hat auch nichts mit der Diskussion zu tun. Ich glaube er hat einen bestimmten Blick auf Frauen, den auch dieses Bild von Palmers vermittelt. Da liegen junge Frauen am Boden, mit dem Gesicht zur Wand von hinten aus einer erhöhten Position fotografiert. Wenn so ein Frauenbild jemand in Frage stellt, dann reagieren offenbar Leute, die so ein Frauenbild haben, sehr gereizt, weil man ihnen eine andere Perspektive zeigen will.

Das Oster-Posting des Unterwäscheunternehmens Palmers © Screenshot ZEIT ONLINE (20. April 2017)

ZEIT ONLINE: Sie meinen, er fühlt sich persönlich angegriffen?

Milborn: Ja, das glaube ich. Solche Leute haben ihr Bild von männlicher Vormachtstellung und wollen das um jeden Preis verteidigen. Dann haben sie diesen Impuls, jemanden zum Schweigen bringen zu wollen, indem sie genau diesen Blick auch anwenden. Herabwürdigung durch Reduktion aufs Körperliche.

ZEIT ONLINE: Sie sagen in Ihrem Video, das Foto mit den nackten Frauen erinnere Sie an eigene Recherchen im Menschenhändler-Milieu. Würden Sie denn auf einer sachlichen Ebene zugestehen, dass man dieses Bild auch anders interpretieren kann?

Milborn: Ja klar, das Bild kann man sicher auf viele Arten lesen. Mein Blick ist tatsächlich davon geprägt, dass ich lange zum Thema Menschenhandel recherchiert und ein Buch darüber geschrieben habe. Ich war sehr oft mit solchen echten Bildern konfrontiert. Es ist aber nicht so, dass das jetzt nur mein Blick ist. Man kennt solche Bilder aus Filmen und Dokumentationen über Menschenhandel. Auch wenn man sich mit Kinderpornografie auseinandergesetzt hat, erkennt man diese Optik, die durch den Kamerablick eingenommen wird. Aber auch Leute, die sich gar nicht mit diesen Themen auseinandergesetzt haben, verspüren bei dem Bild ein gewisses Unbehagen, können es aber nicht in Worte fassen. Viele haben mir später geschrieben und gesagt, stimmt, das ist es, was mich so stört daran.