Der kirgisische Geheimdienst hat den mutmaßlichen Verantwortlichen für das U-Bahn-Attentat von St. Petersburg identifiziert. Demnach handelt es sich bei dem Mann um einen russischen Staatsbürger mit kirgisischen Wurzeln. "Der Mann wurde 1995 in der Stadt Osch geboren", sagte ein Sprecher des Geheimdienstes GKNB in Bischkek. Zuvor hatte bereits die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf russische Sicherheitsbehörden berichtet, die Ermittler konzentrieren sich auf einen 23-Jährigen aus Zentralasien mit Verbindungen ins radikalislamische Milieu.

Der Anschlag auf die U-Bahn in St. Petersburg erfolgte am Montagnachmittag. Die Zahl der Toten wurde von den Behörden inzwischen auf 14 angehoben. Wie die russische Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa mitteilte, starben elf Menschen direkt am Anschlagsort. Drei weitere Menschen seien in Rettungswagen oder in Krankenhäusern ihren schweren Verletzungen erlegen. 49 Verletzte wurden demnach noch im Krankenhaus behandelt.

In einem U-Bahn-Waggon nahe der Station Sennaja Ploschad im Zentrum der Stadt wurde eine Splitterbombe gezündet. Zwei Stunden später fanden Ermittler einen weiteren Sprengsatz in einer anderen U-Bahnstation, der jedoch rechtzeitig entschärft werden konnte. Interfax zufolge gehen die Ermittler davon aus, dass ein Verdächtiger zuerst die eine Bombe an der Haltestelle versteckte – und sich danach in dem Zug in die Luft sprengte.

Kurz nach dem Anschlag wurden alle Metrostationen in der Stadt vorübergehend  geschlossen. Präsident Wladimir Putin, der sich zum Zeitpunkt der Explosion zu einem Treffen mit dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko in St. Petersburg aufhielt, erklärte, die Ermittlungen würden in alle Richtungen geführt. Als Ursache kämen "ein Unfall, ein Verbrechen und vor allem Terrorismus" infrage. Die russische Justiz eröffnete derweil Ermittlungen nach Paragraf 205 des russischen Strafgesetzbuches, der die Strafbarkeit von Terroranschlägen regelt. 

Russland war in der Vergangenheit mehrmals Ziel von Anschlägen militanter Tschetschenen. Diese konzentrierten sich bislang aber auf Moskau. 2002 kamen 120 Menschen ums Leben, als die Polizei ein Theater stürmte, in dem zuvor Geiseln genommen worden waren. 2010 starben 38 Personen, als zwei Selbstmordattentäterinnen Sprengsätze in der Metro der Hauptstadt zündeten. Führer der tschetschenischen Rebellen hatten wiederholt mit weiteren Attacken gedroht. Tschetschenen kämpfen auch an der Seite der Terrormiliz des "Islamischen Staates" (IS) in Syrien, wo sich Russland auf die Seite von Machthaber Baschar al-Assad gestellt hat. Die Behörden konzentrieren sich deshalb vor allem auf Rückkehrer von dort.