Mindestens 25.000 Menschen sind vor Kämpfen in der südsudanischen Stadt Kodok geflohen. Das Trinkwasser werde knapp, humanitäre Hilfen seien eingeschränkt, sagte Philippe Carr von der Organisation Ärzte ohne Grenzen. Zivilisten seien in die nahe gelegene Stadt Aburoc geflüchtet. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz evakuierte seine Mitarbeiter ebenfalls aus Kodok. Das Militär war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kodok war Berichten zufolge am Dienstag beschossen worden. Am Mittwoch wurden in der Nähe Militärhubschrauber gesichtet. Der Chef der UN-Mission im Südsudan, David Shearer, sagte, Regierungstruppen seien in Kodok und der Region Oberer Nil zum Angriff übergegangen. Bis zu 70.000 Menschen könnten vertrieben worden sein. Immer mehr Menschen flüchteten in den Sudan.

Botswanas früherer Präsident Festus Mogae sprach von einer "Krise in der Krise". "Männer, Frauen und Kinder leiden und sterben vor Hunger, weil die Führung auf verschiedenen Ebenen es nicht verhindert", sagte Mogae. Die Vereinten Nationen hatten den Hungernotstand bereits vor zwei Monaten ausgerufen. Im Staat Unity im Norden des Landes sind mehr als 100.000 Menschen akut gefährdet. Wegen des Bürgerkriegs und einer hartnäckigen Wirtschaftskrise ist die Versorgung mit Lebensmitteln seit Jahren schlecht.

Der Südsudan ist nahezu seit seiner Gründung 2011 von ethnisch motivierter Gewalt erschüttert worden. 2013 brach ein Bürgerkrieg zwischen Angehörigen der Volksgruppe der Dinka und Mitgliedern der Nuer aus. Im August 2015 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet, doch die Kämpfe gingen weiter. Nach UN-Angaben flohen 1,7 Millionen Menschen aus dem jüngsten Land der Welt.