In der Asylakte des terrorverdächtigen Bundeswehroffiziers Franco A. gibt es nach Informationen der Nürnberger Nachrichten weitere Mängel und Ungereimtheiten. So habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) früh Hinweise bekommen, dass der Antragsteller unter seiner angeblichen Identität kaum in Erscheinung trat und deshalb eine Asylanhörung beantragt.

Der Helferkreis der ihm zugewiesenen Flüchtlingsunterkunft bei Kirchberg in Oberbayern habe die Ladung zur Anhörung im Oktober vergangenen Jahres allerdings mit den Worten zurückgeschickt: "Herr Benjamin kam noch nie."

Am 7. November wurde der angebliche Flüchtling dann schließlich angehört. Das Gespräch fand auf Französisch statt und wurde von einem Bundeswehrsoldaten geführt, der an das Bamf abgeordnet war und die Behörde nach Informationen der Nürnberger Nachrichten inzwischen wieder verlassen hat.

 

Die angebliche Verletzung überprüfte kein Arzt

Franco A. hatte unter dem Namen David Benjamin Asyl beantragt. Bei der Anhörung gab er dem Zeitungsbericht zufolge an, am 8. Februar 1988 geboren zu sein. Er sei Syrer, Christ und gelernter Landwirt und werde wegen seines Glaubens verfolgt. Außerdem sei er wegen seines jüdisch klingenden Namens in Syrien nie akzeptiert worden. Geflohen sei er nach einem Angriff des "Islamischen Staates" (IS). Sein Vater sei getötet, er selbst durch einen Granatsplitter verletzt worden.

Dazu habe es weder Nachfragen gegeben noch sei die Verletzung entgegen den Gepflogenheiten überprüft worden, schreiben die Nürnberger Nachrichten unter Berufung auf das Anhörungsprotokoll. Im Asylbescheid vom 16. Dezember 2016 habe Franco A. einen Schutzstatus wegen des Bürgerkrieges in Syrien, nicht aber aufgrund religiöser Verfolgung erhalten.

Berliner Abgeordnete steht auf Terrorliste

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte Franco A. auch eine Liste mit möglichen Anschlagsopfern geführt. Die Berliner Linken-Abgeordnete Anne Helm stand nach eigenen Angaben auf dieser Liste. Darüber habe das Landeskriminalamt sie informiert, schrieb die Landespolitikerin am Samstag auf Twitter.

Helm sitzt seit 2016 für die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus. Im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel sagte sie, sie habe bereits zuvor Gewalt- und Morddrohungen erhalten. Aber das sei "eine andere Qualität". Sie wolle sich nicht einschüchtern lassen, doch die Angelegenheit sei beunruhigend.

Auch die Aktivisten der Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) teilten mit, auf der Liste potentieller Opfer gestanden zu haben.

Medienberichten zufolge sei noch ein weiterer Berliner vom LKA informiert worden, die Hintergründe sind unklar. Die Berliner Polizei konnte dazu am Sonntag nichts sagen. Der 28-jährige Franco A. schweigt bislang zu den Vorwürfen.

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