Bei Zusammenstößen zwischen Polizisten und Gegnern von Präsident Nicolás Maduro ist in Venezuela erneut ein Mensch getötet worden. Der 19-jährige Student Daniel Queliz sei einer Schussverletzung erlegen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nach Angaben der Opposition war der Schütze ein Polizist.

Der Staatsanwaltschaft zufolge wurde Queliz am Hals getroffen, als die Polizei in der Stadt Valencia im Norden Venezuelas versuchte, eine Demonstration aufzulösen. Bereits am vergangenen Donnerstag war ein Demonstrant durch einen Schuss getötet worden.

Am Montagabend waren Tausende gegen Präsident Maduro auf die Straße gegangen. In der Hauptstadt Caracas kam es zu Zusammenstößen, bei denen die Polizei Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse gegen die Demonstranten einsetzte. Die Beamten wurden Berichten zufolge mit Steinen und Molotowcocktails attackiert. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen 40 Menschen wegen "Gewalttätigkeiten" in Caracas und den Bundesstaaten Miranda und Lara einem Richter vorgeführt werden.

Der Protestmarsch vom Montagabend war der fünfte im April. "Das ist eine Schlacht des Widerstands", sagte der Vize-Sprecher des von der Mitte-Rechts-Opposition dominierten Kongresses, Freddy Guevara. Man werde sehen, "wer zuerst aufgibt: wir das Kämpfen oder sie das Unterdrücken." Die Opposition kritisiert, dass die Sicherheitskräfte von Hubschraubern und Behördengebäuden aus Tränengas abfeuerten. "Die Nationalgarde sollte aufhören, das Volk zu unterdrücken, das nur Respekt vor der Verfassung, Achtung der Kompetenzen der Nationalversammlung und die Durchführung von Wahlen fordert", sagte Parlamentspräsident Julio Borges.

Die Regierungsgegner in Venezuela machen die sozialistische Regierung von Präsident Maduro für die schwere Wirtschaftskrise verantwortlich. Sie kämpfen für eine Volksabstimmung zu seiner Amtsenthebung. Für kommende Woche rief die Opposition zu weiteren Demonstrationen auf, Höhepunkt soll eine Großdemonstration in Caracas am 19. April sein.

USA und EU zeigen sich besorgt

Venezuela befindet sich seit Monaten in einer schweren politischen Krise. Diese verschärfte sich durch die Entscheidung des obersten Gerichtshofs, dem Parlament die Kompetenzen zu entziehen. Das Parlament wird von der Opposition beherrscht. Nach heftiger Kritik aus dem In- und Ausland nahm das Gericht das Urteil zurück, doch die Proteste dauern an. Durch ein 15-jähriges Ämterverbot für den konservativen Oppositionsführer Henrique Capriles wurde die Krise ausgeweitet.

Die US-Regierung zeigte sich am Montag beunruhigt über das Ämterverbot für Capriles. Das US-Außenministerium rief Maduro auf, die Entscheidung zu "überdenken" und "sicherzustellen, dass die Venezolaner ihr Recht, ihre Volksvertreter in freien und fairen Wahlen zu bestimmen, ausüben können". Zuvor hatte die Europäische Union ihre Besorgnis über die "Eskalation der Spannungen und gewaltsamen Zusammenstöße" in Venezuela ausgedrückt.

Präsident Maduro gab bei einem Kuba-Besuch den USA die Schuld an der Krise im Land. "Die Anordnung, dass es keinen Dialog in Venezuela geben soll, kam aus Washington, damit unser Land explodiert und der Weg für eine ausländische Intervention frei ist", sagte er bei einem Auftritt in Havanna.

Venezuela - Verletzte bei Krawallen in Caracas Erneut haben Tausende Menschen in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gegen die Regierung demonstriert. Die Proteste schlugen in Gewalt um. © Foto: Carlos Garcia Rawlins/Reuters