In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Samstagabend eine deutsche Entwicklungshelferin und ein afghanischer Wachmann getötet worden. Das sagte der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Nadschib Danisch. "Eine finnische Frau wurde entführt", fügte er hinzu. Die drei Personen hätten für die schwedische Hilfsorganisation Operation Mercy gearbeitet. Der Zwischenfall habe sich vor einer Unterkunft der Organisation ereignet.

Das Auswärtige Amt bestätigte den Tod der Deutschen , das finnische Außenministerium die Entführung der Finnin. Das Ministerium forderte die sofortige Freilassung.

Der Leiter von Operation Mercy teilte der schwedischen Nachrichtenagentur TT mit, dass in der betroffenen Unterkunft eine Krisensitzung einberufen worden sei. Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums war der erschossene Afghane der Wachmann des Gästehauses. Die genauen Hintergründe waren zunächst unklar. "Wir können nicht sagen, ob der Zwischenfall einen kriminellen oder terroristischen Hintergrund hat, aber eine Untersuchung läuft", sagte der Sprecher. Die Täter seien entkommen.

Operation Mercy ist in Zentralasien, dem Mittleren Osten und Nordafrika aktiv. In Afghanistan arbeitet die Organisation mit Einheimischen zusammen, um die Kindersterblichkeit zu reduzieren, und bietet Bildungsangebote für Frauen in ländlichen Gemeinden an. In anderen Ländern engagiert sich Operation Mercy außerdem in den Bereichen Behindertenintegration, Kinderrechte und Flüchtlingshilfe.

Die Sicherheitslage in Afghanistan verschlechtert sich

Wegen der schlechten Sicherheitslage hatten ausländische Organisationen ihre Maßnahmen zuletzt weiter verstärkt. So hatte die deutsche Entwicklungshilfeorganisation GIZ im Mai erklärt, ihre Büros im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul aufzugeben. Sie zog in ein schwer gesichertes Lager am Stadtrand.

Die GIZ schloss damit sechs der sieben Büro- und Wohngelände, die sie in den vergangenen Jahren – als Reaktion auf das Erstarken der radikalislamischen Taliban und mehr Anschläge in Kabul – für Hunderttausende Euro mit Sprengschutzwänden und Stahlschleusen gesichert hatte. Die Sicherheitssituation in Afghanistan hat sich seit dem Abzug der meisten internationalen Truppen 2014 stark verschlechtert. Das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Scharif war schon im Winter nach einem Angriff der Taliban in das deutsche Militärlager umgezogen. 2015 waren zwei Mitarbeiter der GIZ entführt worden. Mittlerweile hat sich die Zahl der deutschen und internationalen Mitarbeiter von etwa 200 auf rund 100 verringert.

Polizisten im Südosten Afghanistans getötet

Unterdessen sind bei Angriffen der Taliban im Südosten Afghanistans seit Samstagabend mindestens 20 Polizisten getötet worden. Das sagte der Gouverneur der Provinz Sabul, Bismillah Afghanmal. Demnach griffen die schwer bewaffneten islamistischen Kämpfer zeitgleich mehrere Polizeiposten im Bezirk Schah Dschoi an. Die Taliban hätten zudem mehrere Mörsergeschosse auf die Provinzhauptstadt Kalat abgefeuert. Bei den Gefechten seien auch viele Extremisten getötet worden. Die Taliban verüben in ihrem Kampf gegen die Regierung Afghanistans regelmäßig Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden.

Weitere Bewaffnete haben bei einem Angriff auf eine Patrouille im Nordwesten Pakistans vier Polizisten erschossen. Der Polizeibeamte Arif Khan sagte, die Attacke am Sonntag habe sich im Bezirk Kohat ereignet, rund 90 Kilometer südlich von Peschawar in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Die Polizei habe die Jagd auf die geflohenen Angreifer aufgenommen.