Durch eine starke Explosion im Diplomatenviertel der afghanischen Hauptstadt Kabul sind viele Menschen getötet worden. Die Zahlenangaben zu den Opfern von Innen- und Gesundheitsministerium liegen zwischen 64 und 80 Toten. Mehr als 300 Menschen hätten Verletzungen erlitten. Laut dem afghanischen Innenministerium war eine Autobombe explodiert. 

Eine riesige Rauchwolke bildete sich über der Gegend. Die Bombe ging nahe dem Sanbak-Platz hoch. Das ist eine Kreuzung in einem Viertel mit vielen afghanischen Ministerien und ausländischen Botschaften, darunter die deutsche Botschaft, die etwa 150 Meter von dem Platz entfernt liegt. Im Umkreis von bis zu hundert Metern entstand Sachschaden. Das Gebäude der deutschen Botschaft wurde dem äußerlichen Anschein bis zur Unbenutzbarkeit beschädigt. Sämtliche Fenster sind zerstört, Trümmer der Inneneinrichtungen ragen aus den Fensterhöhlen heraus, die Absperreinrichtungen auf der die Botschaft umgebenden Mauer ist von der Wucht der Explosion hinweggefegt.

Auch die indonesische, die türkische und die französische Botschaft liegen an dieser Kreuzung, das afghanische Hauptquartier der Nato befindet sich in der Nähe. Viele Menschen waren zum Zeitpunkt der Explosion zur Arbeit unterwegs.

Um den Explosionsort herum herrsche anfangs Chaos. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. Der Platz ist von der Polizei abgeriegelt. 

Explosion in Kabul

Im Diplomatenviertel von Kabul ist etwa 150 Meter von der deutschen Botschaft entfernt eine Autobombe explodiert.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, ein afghanischer Sicherheitsbediensteter sei ums Leben gekommen. Mitarbeiter der Botschaft seien verletzt worden. Den Angehörigen des Getöteten "gilt unser ganzes Mitgefühl", sagte Gabriel. Seine Gedanken seien bei den Familien und Freunden der Opfer. Er verurteilte die Tat "auf das Schärfste". Solche Anschläge "ändern nichts an unserer Entschlossenheit, die afghanische Regierung bei der Stabilisierung des Landes weiter zu unterstützen".

Nach Angaben der französischen Regierung wurden auch die an der Kreuzung gelegene französische Botschaft beschädigt. Mehrere Botschaften hätten mitgeteilt, dass ihre Mitarbeiter und Diplomaten in Sicherheit seien, darunter die etwas weiter vom Explosionsort neben der deutschen Vertretung gelegene indische Botschaft, berichteten Medien.

Kein Bekenntnis zur Tat

Die Nato-Mission in Afghanistan verurteilte die Tat scharf. Der Anschlag spiegele die "barbarische Natur" der Täter und deren völlige Gleichgültigkeit gegenüber Zivilisten, teilte das Hauptquartier des Einsatzes Resolute Support in Kabul mit. Zugleich lobte die Nato die lokalen Sicherheitskräfte, die sich dem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug entgegen gestellt hätten, bevor dieses mitten im schwer gesicherten Regierungs- und Diplomatenviertel explodierte. Diese Schilderung der Nato deutet auf einen Selbstmordanschlag hin.

Unklar ist bisher, was das Ziel des mutmaßlichen Anschlags gewesen sein könnte. Bisher hat sich niemand zu der Tat bekannt. Die radikal-islamischen Taliban wiesen die Verantwortung für den Anschlag zurück. Man verurteile derartige Angriffe, die Zivilisten töteten, hieß es in einer Erklärung. Die Taliban hatten eine Frühjahrsoffensive angekündigt, deren Hauptziel die ausländischen Truppen im Land sein sollte. In den vergangenen Monaten hatte es in Kabul mehrere Anschläge gegeben, bei denen viele Menschen starben. Erst zu Monatsbeginn hatte sich ein Selbstmordattentäter an einem Nato-Militärkonvoi nahe der US-Botschaft in die Luft gesprengt und weitere Menschen getötet. Den Anschlag hatte der "Islamische  Staat" für sich reklamiert.

Abschiebung abgesagt

Die US-Regierung erwägt wegen der Gewalttaten, den Abzug ihrer Truppen zu stoppen und weitere 3.000 bis 5.000 Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Damit sollen die einheimischen Truppen im Kampf gegen die Taliban gestärkt werden. Zurzeit sind noch 8.400 US-Soldaten am Hindukusch stationiert. An der Beratungsmission der Nato dort ist auch Deutschland mit knapp 1.000 Soldaten beteiligt.

Wegen des Anschlags setzte die Bundesregierung die für den heutigen Mittwoch geplante Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan für heute aus. Das geschehe aus Rücksicht auf die Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) nach Angaben von Mitgliedern des Innenausschusses. Das Botschaftspersonal sei mit der Schadensaufnahme befasst und könnte sich daher nicht um die Ankunft des Abschiebefliegers am Kabuler Flughafen kümmern, hieß es. Gegen die Abschiebung hatten Menschenrechtsorganisationen scharf protestiert. Der Bund betrachtet Teile Afghanistans als sichere Regionen und lässt dahin abschieben.