Der Münchner Anwalt Michael-Hubertus von Sprenger hat sein Mandat für den türkischen Präsidenten niedergelegt. "Ich möchte mich zu den Gründen nicht äußern. Ich habe es aber nicht niedergelegt, weil ich den Anspruch nicht für berechtigt halte", sagte von Sprenger. Nach Informationen des Mediendienstes Meedia sind die wiederholten Nazivergleiche von Recep Tayyip Erdoğan der Grund für die Entscheidung.

Von Sprenger hatte Erdoğan im Rechtsstreit mit dem Satiriker Jan Böhmermann wegen dessen in der ZDF-Satireshow Neo Magazin Royale vorgetragenen Schmähgedichts vertreten. Vor dem Hamburger Landgericht erzielte er einen Teilerfolg: Das Gericht urteilte, die Verwendung "rassistisch einzuordnender Vorurteile und einer religiösen Verunglimpfung" sowie sexuelle Bezüge gingen über das Maß hinaus, das Erdoğan hinnehmen müsse.

Erdoğan wollte Böhmermanns Beitrag allerdings komplett verbieten lassen. Der türkische Präsident braucht nun einen neuen Anwalt für das Verfahren. Denn da Böhmermann Rechtsmittel eingelegt hat, ist der Streit noch nicht beendet.

Von Sprenger sagte laut Meedia, er sei von den verbalen Attacken Erdoğans persönlich betroffen. "Mein Vater saß während des Nationalsozialismus wegen seiner politischen Betätigungen im Gefängnis." Auch habe seinem Vater die Überstellung ins Konzentrationslager gedroht.

Erdoğan hatte nach der Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Minister in Deutschland Ende März deutschen Behörden "Nazimethoden" vorgeworfen. Bundeskanzlerin Angela Merkel warf er auch persönlich "Nazimethoden gegen meine türkischen Brüder in Deutschland und die Minister" vor, die in Deutschland vor der Volksabstimmung in der Türkei unter den Deutschtürken um Stimmen für Erdoğans Verfassungsreform werben wollten. Die Reform soll seine Machtbefugnisse ausweiten. Seit einem erfolglosen Putschversuch 2016 hat Erdoğan Zehntausende Kritiker aus dem Staatsdienst entlassen und viele vermeintliche Gegner inhaftiert, darunter auch Journalisten.

Türkei - Was in der Verfassungsreform Erdoğans steht Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan strebt eine Verfassungsreform für das Präsidialsystem an, die ihm mehr Macht verleihen würde. Hier die Punkte der Reform im einzelnen