Es gibt neue Hinweise darauf, dass Sergej W. das Attentat auf den Mannschaftsbus des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund tatsächlich geplant hat. Ermittler fanden bei einer Durchsuchung handschriftliche Notizen, die den Hauptverdächtigen massiv belasten, wie der Spiegel und der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung berichten.

W. soll darin teils auf Deutsch, teils auf Russisch Überlegungen notiert haben, welche Funkfrequenz zur Fernzündung von Sprengsätzen geeignet wäre und wie sich der spätere Tatort auskundschaften lasse. Auch das Wort "Hecke" oder je nach Übersetzung "Gebüsch" sei dort zu lesen. Die Notizen seien "aufschlussreiche Wortfetzen", wird ein Ermittler vom Spiegel zitiert. Bei den Notizen findet sich laut des Rechercheverbunds auch ein Hinweis, der von den Fahndern mit einem öffentlichen Training der Mannschaft Mitte März in Dortmund in Zusammenhang gebracht wird. Eine grafologische Analyse soll die Notizen eindeutig dem Deutschrussen zuweisen.

Der Anschlag ereignete sich am 11. April, unmittelbar vor dem Champions-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und AS Monaco. Neben dem Mannschaftsbus des BVB explodierten drei Sprengsätze, die in einer Hecke versteckt waren: Metallstifte waren bis zu 100 Meter weit geflogen, hatten den Bus beschädigt, einer hatte sich in eine Kopfstütze gebohrt. BVB-Verteidiger Marc Bartra und ein Polizist wurden durch die Explosionen verletzt. Das geplante Spiel wurde um einen Tag verschoben. 

Die Ermittler vermuten, dass Sergej W. vom Fenster seines Hotelzimmers, in dem auch die Mannschaft des BVB untergebracht war, auf die Straße geschaut und den Bus beobachtet hatte. Der Verdächtige ist Spezialist für Elektrotechnik. Beamte der GSG9 konnten ihn zehn Tage später im Raum Tübingen festnehmen.

Belastet wird der mutmaßliche Täter, der die Tat bestreitet, auch durch verdächtige Transaktionen an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart. Er soll auf einen Kursrutsch der BVB-Aktie spekuliert haben – der durch den Anschlag hätte ausgelöst werden können. Vor dem angeblichen Verkauf der Derivate auf die BVB-Aktie hatte W. einen Verbraucherkredit in dreistelliger Höhe aufgenommen.