Er habe sich als "Staffelläufer gesehen, der den Stab an den nächsten Läufer übergeben hat": Namentlich hat der frühere US-Präsident Barack Obama seinen Nachfolger Donald Trump auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin nicht genannt, während er mit Kanzlerin Angela Merkel über die Zukunft der Demokratie diskutierte. Gleichzeitig zeigte sich Obama besorgt angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen, die seine Gesundheitsreform bedrohten. 

Als US-Präsident müsse man "anerkennen, dass man nie alles erreicht, was man anstrebt". So sei sein Ziel gewesen, den US-Amerikanern mit Obamacare zu 100 Prozent eine medizinische Versorgung zu verschaffen. Immerhin hätten 20 Millionen Menschen zusätzlich profitiert. Darauf sei er "sehr stolz", sagte Obama. Er lobte die Kanzlerin, sie habe "hervorragende Arbeit geleistet, nicht nur hier in Deutschland, sondern in der ganzen Welt". Merkel sei ihm während seiner vor vier Monaten beendeten Präsidentschaft "eine der liebsten Partnerinnen" gewesen.

Während der öffentlichen Debatte vor dem Brandenburger Tor diskutierte er mit Merkel und Vertretern der Evangelischen Kirche auch über die Rolle von Religion. Dabei wies Obama darauf hin, dass die tiefe Religiosität vieler Amerikaner nicht nur gute Seiten habe. "Das Problem ist, dass wir manchmal Kompromisslosigkeit in Glaubensfragen in die Politik tragen", sagte er. Obama unterstrich, dass in den USA viele Religionen ihren Platz hätten. Aber niemand im Besitz der absoluten Wahrheit sei, auch er nicht.

In der Pflicht sieht Obama nun die junge Generation, die nicht nur mit Zynismus auf Politik schauen, sondern sich selbst engagieren solle. Er wolle eine neue Generation von Anführern unterstützen. "Es hängt jetzt alles von den jungen Leuten ab."


Kritische Fragen zu Abschiebungen und Drohnen

Angela Merkel musste sich unterdessen kritischen Fragen zur Flüchtlingspolitik und zu Abschiebungen nach Afghanistan stellen. Die Kirchenvertreter auf der Bühne berichteten von vielen Briefen von Flüchtlingshelfern. Diese berichteten von Familien, die bereits integriert seien, aber nun Angst vor ihrer Abschiebung hätten. "Ich weiß, dass ich mich damit nicht beliebt mache", sagte Merkel. Aber wenn in einem Rechtsstaat nach mehrfacher Prüfung eine Entscheidung gegen einen Aufenthalt in Deutschland getroffen werde, müsse diese umgesetzt werden.

Auch Obama verteidigte diese Position. Zwar verdiene "in den Augen Gottes" ein Kind auch in einem anderen Land genauso viel Barmherzigkeit und Mitgefühl. "Aber wir sind eben auch Regierungschefs und haben eine Verantwortung für die Bürger innerhalb unserer Grenzen und auch begrenzte Ressourcen", sagte er. 

Als ein Student nach den zivilen Opfern der US-Drohneneinsätze fragte, verwies Obama auf den Schutz seines Landes und verteidigte den Einsatz im Kampf gegen Terroristen. "Wie schützt man sein Land vor Dingen, wie wir sie in Manchester oder Berlin oder Paris und Nizza erlebt haben?", fragte der Friedensnobelpreisträger. "Wenn wir Leben so gering schätzen wie unsere Gegner, verlieren wir", fügte er hinzu.

Obama räumte aber auch ein: "Manchmal haben meine Entscheidungen zum Tod von Zivilisten geführt, weil es Fehler gab. Drohnen selbst sind nicht das Problem, das Problem ist der Krieg."