Cholera-Ausbruch - Jemen erklärt den Notstand in Sanaa Etwa 7,6 Millionen Menschen im Jemen leben der WHO zufolge in Gebieten, die einem hohen Risiko einer Cholera-Übertragung ausgesetzt sind. © Foto: Getty Images/ Mohammed Huwais

Die Behörden in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa haben angesichts der sich rasch ausbreitenden Cholera den Notstand erklärt. Wie das Rote Kreuz unter Berufung auf das Gesundheitsministerium mitteilte, sei die Zahl der Toten auf 115 gestiegen. Mehr als 8.500 Verdachtsfälle wurden gemeldet.

Ein Streik der Müllabfuhr trug zu der Ausbreitung der Cholera bei. Tagelang lagen verrottende Abfälle in den Straßen. Die Müllwerker verlangten die Auszahlung ausstehender Löhne.

Das Gesundheitssystem ist nach Informationen der staatlichen Nachrichtenagentur Saba nicht mehr in der Lage, die Infektionskrankheit in den Griff zu bekommen. Das Gesundheitsministerium rief humanitäre Hilfsorganisationen auf, dem Land bei der Eindämmung der Epidemie zu helfen und eine "noch nie dagewesene Katastrophe" abzuwenden. 

Nur wenige medizinische Einrichtungen funktionieren noch in Jemen. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung haben nach Angaben der UN keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Bereits im vergangenen Oktober meldete die Kinderhilfsorganisation Unicef den Ausbruch der Cholera in Sanaa. Durch den Bürgerkrieg war das Gesundheitssystem schon damals zusammengebrochen und Kinder deshalb besonders gefährdet. Wenn Cholera nicht behandelt wird, droht 15 Prozent der Erkrankten binnen weniger Stunden der Tod, warnte die Organisation. Cholerabakterien werden über mit Fäkalien verseuchtes Trinkwasser übertragen, sie lösen bei den Infizierten starken Durchfall aus.

In Jemen kämpfen seit Anfang 2015 die schiitischen Huthi-Rebellen gegen die Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi. Seit März 2015 fliegt eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition Luftangriffe auf die Rebellen. Extremistengruppen wie Al-Kaida und der "Islamische Staat" (IS) machen sich den Konflikt zunutze, um ihre Macht in dem Land auszuweiten. Die Weltgesundheitsorganisation spricht mit Blick auf den Jemen von einer der schwersten humanitären Krisen weltweit.