Im Fall des zu Tode geprügelten Schülers Niklas hat das Landgericht Bonn den Angeklagten freigesprochen. "Wir können nicht beweisen, dass er geschlagen hat und dass er am Tatort war", begründete der zuständige Richter das Urteil. Es gebe vielmehr Anhaltspunkte, dass der 21-Jährige die Tat nicht begangen habe. Dennoch wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von acht Monaten verurteilt – allerdings nicht im Zusammenhang mit dem Angriff, sondern wegen einer anderen Schlägerei, die in dem Prozess mitverhandelt worden war.

Den Freispruch hatten zuletzt sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung gefordert. Es sei nicht zweifelsfrei sicher, dass der Angeklagte Niklas in der Tatnacht geschlagen und getreten habe, hatte Staatsanwalt Florian Geßler seine Kehrtwende im Plädoyer begründet. Es komme auch ein anderer Mann als Täter in Betracht. Ursprünglich hatte Geßler dem Angeklagten Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Der Beschuldigte hatte die Tat von Anfang an bestritten.

Überhaupt gestaltete sich der Prozess für die Strafkammer äußerst schwierig. Viele Zeugen gaben an, sich nicht richtig erinnern zu können oder die eigentliche Tat nicht beobachtet zu haben. Die Aussage eines Freundes von Niklas, der den Angeklagten als Täter wiedererkannt haben wollte, reichte der Staatsanwaltschaft letztlich nicht aus. Es sei möglich, dass es sich um eine Verwechslung handele. Es gebe eine sehr große Ähnlichkeit mit einem anderen jungen Mann, der ebenfalls am Tatort gewesen sein soll, der aber nicht angeklagt war.

Niklas, der zuletzt in Bad Breisig in Rheinland-Pfalz wohnte, war im Mai 2016 im Bonner Stadtteil Bad Godesberg auf offener Straße mit einem Faustschlag gegen die Schläfe niedergestreckt worden. Anschließend wurde ihm gegen den Kopf getreten. Er starb wenige Tage später im Krankenhaus. Laut Anklage sollen Blutgefäße im Gehirn des Schülers aber vorgeschädigt gewesen sein. Deswegen lautete die Anklage gegen S. nicht auf Totschlag, sondern auf Körperverletzung mit Todesfolge.