Sechs Tage nach dem Terroranschlag in Manchester hat die britische Regierung die Terrorwarnstufe gesenkt. Damit gilt nicht mehr die höchste Warnstufe, "kritisch", sondern die zweithöchste, "ernst", erklärte Premierministerin Theresa May. Die Ermittler hätten große Fortschritte erzielt.

Am Samstagmorgen hatte die Polizei zwei weitere Verdächtige im Alter von 20 und 22 Jahren festgenommen. Damit sitzen insgesamt elf Männer in Haft, darunter auch der ältere Bruder des Attentäters sowie zwei seiner Cousins, wie der Guardian berichtet; zwei weitere Verdächtige wurden freigelassen. In der Nacht seien weitere Wohnungen durchsucht worden, twitterte die Polizei in Manchester.

Ein großer Teil des islamistischen Netzwerks um den Täter sei bereits gefasst, sagte der oberste Ermittler Mark Rowley. "Wir sind sehr glücklich, dass wir einige der Schlüsselfiguren gefasst haben, die wir im Visier hatten."

Salman Abedi, ein Brite libyscher Abstammung, hatte am Montagabend nach einem Konzert der US-Sängerin Ariana Grande in Manchester 22 Menschen getötet. Dutzende weitere wurden bei dem Bombenattentat verletzt. Der 22-Jährige war dem britischen Geheimdienst bekannt, wurde aber nicht regelmäßig überprüft. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte das Attentat für sich.

USA übernehmen Verantwortung für Ermittlungsleak

US-Außenminister Rex Tillerson äußerte sein Bedauern über die Veröffentlichung heikler Informationen zum Anschlag in US-Medien. Sein Land übernehme die "volle Verantwortung" dafür, sagte er während eines Treffens mit seinem Amtskollegen Boris Johnson in London. Das Vertrauen zwischen Washington und London war gestört worden, nachdem US-Behörden Medien britische Ermittlungsergebnisse weitergegeben hatten, unter anderem der Name Abedis soll so an Medien gelangt sein. Großbritannien stellte den Informationsaustausch zwischenzeitlich ein, nahm ihn am Freitag aber wieder auf.

Die US-Sängerin Grande kündigte derweil an, nach Manchester zurückzukehren, um in der Stadt ein Benefizkonzert zugunsten der Opfer und ihrer Familien zu geben. Ein genaues Datum nannte sie noch nicht. Die 23-Jährige hatte allen Opfern und Angehörigen ihr Beileid ausgesprochen. Sie lobte die Einwohner Manchesters für ihre Furchtlosigkeit und Eintracht. Sie schrieb: "Unsere Antwort darauf muss sein, näher zusammenzurücken, uns zu helfen, mehr zu lieben, lauter zu singen sowie mitfühlender und großzügiger zu leben als bisher."