Die aus Ulm stammende Journalistin Meşale Tolu ist wegen des Verdachts auf "Propaganda für eine terroristischen Organisation" und "Mitgliedschaft einer terroristischen Vereinigung" in der Türkei verhaftet worden. Das berichten der SWR und die Tagesschau. Demnach befinde sich Tolu seit fünf Tagen im Istanbuler Frauengefängnis.

Die Journalistin arbeitete in der Türkei als Übersetzerin für die Etkin News Agency (ETHA). Wie Freunde Tolus berichten, wurde die 33-Jährige in der Nacht vom 29. auf 30. April verhaftet. Demnach seien Spezialkräfte der Antiterroreinheit gewaltsam in ihre Wohnung in Istanbul eingedrungen, wo Tolu und ihr zweieinhalb Jahre alter Sohn schliefen.

Eine Woche später, am 6. Mai, erließ ein Richter Haftbefehl gegen Tolu. Behörden werfen ihr vor, als Journalistin Terrorpropaganda betrieben zu haben und selbst Mitglied einer Terrororganisation zu sein. Wie die Plattform für unabhängigen Journalismus P24 berichtet, wurde auch der Journalist Ulaş Sezgin, der wie Tolu für ETHA arbeitete, dem Haftrichter vorgeführt und inhaftiert.

Das türkische Nachrichtenportal Diken berichtete, dass Tolu im Zuge einer Razzia gegen 16 Personen festgenommen worden sei. Die Festnahmen betrafen demnach Journalisten, die für die Agentur und linke politische Organisationen arbeiten – offenbar vor den Protesten zum 1. Mai. 

EU-Minister Çelik zufolge "ein sicheres Land für ausländische Journalisten"

Tolu ist in Ulm in Baden-Württemberg geboren. In der Türkei hat sie für die sozialistisch orientierte Nachrichtenagentur und einen linken Radiosender gearbeitet, der vor kurzem von türkischen Behörden geschlossen wurde. 2007 hatte sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und ihren türkischen Pass abgegeben. Damit hat Tolu den Anspruch auf Besuchserlaubnis und konsularischen Beistand von der deutschen Botschaft. Im Falle des nach wie vor in türkischer Untersuchungshaft befindlichen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel war dies erst nach mehreren Wochen möglich, weil Yücel beide Staatsangehörigkeiten besitzt.

Das Auswärtige Amt wollte sich zu dem Vorfall bisher nicht öffentlich äußern. Auf Grund von Tolus Staatsangehörigkeit dürfte die Bundesregierung aber informiert sein. 

EU-Minister Ömer Çelik hatte am Donnerstag gesagt, die Türkei sei ein sicheres Land für ausländische Journalisten, die nicht an terroristischen Aktivitäten beteiligt seien. P24 zufolge sind aktuell 165 Journalisten in der Türkei inhaftiert.