Die Umsiedlung von Eidechsen für das umstrittene Milliardenprojekt Stuttgart 21 kostet nach Angaben der Bahn rund 15 Millionen Euro. Bei Wendlingen wurden in den vergangenen Wochen 200 geschützte Zauneidechsen von einem Bauplatz für die ICE-Trasse Stuttgart-Ulm eingesammelt, teilte die Bahn mit. Insgesamt 250 der Reptilien werden dort vermutet. In Stuttgart-Untertürkheim müssen gut 6.000 Mauereidechsen umgesiedelt werden. Den Start der Bauarbeiten in Wendlingen hätten die Tiere schon um 18 Monate verzögert, sagte Projektsprecher Jörg Hamann.

Durch Planung, Gutachten, Monitoring, Fang und Grunderwerb koste die Umsiedlung einer Eidechse zwischen 2.000 Euro und 4.000 Euro, hieß es. Experten fingen die Kriechtiere mit einer an einer Rute befestigten Schlinge. Sie werden zehn Kilometer weiter wieder angesiedelt.

Naturschützer mahnten eine bessere Planung an: Artenschutz müsse nicht so teuer sein, wenn man rechtzeitig daran denke, sagte der Landeschef des Naturschutzbundes Nabu, Johannes Enssle. Die Bahn weiß nach eigenen Angaben seit März 2015 von der Zahl der Eidechsen und den genauen Orten in Wendlingen.

Die Bauarbeiten für das S21 genannten Bahnhofsprojekt begannen nach heftigen Protesten im Jahr 2010: Kern ist der Stuttgarter Hauptbahnhof, der von einem oberirdischen Kopf- in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umgewandelt wird. Weil dafür alte Bäume und historische Gebäude weichen mussten, demonstrierten Zehntausende Bürger gegen den Neubau. Die Bahn baut außerdem drei neue S-Bahn-Stationen in Stuttgart, zudem wird die ICE-Strecke zwischen dem neuen Hauptbahnhof und Ulm ausgebaut. Das Land und der Bund beteiligen sich an den Kosten. Zunächst hatten die Bauherren mit 2,46 Milliarden Euro gerechnet, der Bundesrechnungshof geht inzwischen von Kosten in Höhe von zehn Milliarden Euro aus.