In Venezuela hat das Militär die von deutschen Einwanderern gegründete Gemeinde Colonia Tovar unter seine Kontrolle gestellt. Wie die Zeitung El Nacional berichtet, kam es anschließend zu heftigen Ausschreitungen.

Hintergrund ist ein Vorfall vom 18. Mai: Vor zwei Tagen soll die Nationalgarde Venezuelas die 13-jährige Michelle Strubiger angefahren haben. Das Mädchen wurde umgehend in eine Klinik gebracht und befindet sich in stabilem Zustand. Daraufhin kam es im Bundesstaat Aragua im Norden Venezuelas zu Protesten gegen Präsident Nicolás Maduro und das Militär, bei denen die Anwohner der Colonia Tovar unter anderem das Gebäude der Nationalparksverwaltung anzündeten. Das wiederum veranlasste das Militär, die Gemeinde zu besetzen.

"Das ist eine sehr angespannte Situation", sagte eine Mitarbeiterin des Hotels Bergland. Das Militär sei mit zahlreichen Lastwagen angerückt und kontrolliere die Ortseingänge. Bilder zeigten Tränengaswolken und Straßenblockaden.

Colonia Tovar wurde von 392 Auswanderern aus Baden-Württemberg gegründet, die 1842 mit dem Schiff von Le Havre nach Südamerika kamen.

200.000 Menschen demonstrieren gegen Maduro

Aus Protest gegen Staatschef Nicolás Maduro gingen unterdessen erneut 200.000 Menschen auf die Straße. Allein in der Hauptstadt Caracas hätten nach vorläufigen Schätzungen mehr als 160.000 Menschen an einem Protestmarsch zum Innenministerium teilgenommen, sagte Edinson Ferrer vom Oppositionsbündnis Tisch der Demokratischen Einheit (MUD). "Wir sind Millionen gegen die Diktatur", stand auf Pappschildern der Demonstranten.

Die Polizei hinderte die Demonstranten mit Tränengas daran, zu dem Ministeriumsgebäude im Stadtzentrum zu gelangen. Auf der wichtigsten Autobahn von Caracas waren Oppositionsanhänger zwischen Barrikaden mit Stöcken und Steinen bewaffnet, um sich gegen die Polizei zur Wehr zu setzen. Einige junge Männer waren vermummt, trugen Gasmasken und selbst gemachte Schilde aus Holz oder Metall.

In San Cristóbal im westlichen Bundesstaat Táchira gingen mehr als 40.000 Maduro-Gegner auf die Straße. Maduro hatte diese Woche 2.600 Soldaten nach Táchira entsandt, nachdem es dort eine Reihe von Plünderungen und Angriffen auf Einrichtungen von Polizei und Armee gegeben hatte.

"Je mehr Repression, desto mehr Widerstand und Kampf für Venezuela", sagte Oppositionsführer Henrique Capriles vor Beginn des Marsches zum Innenministerium in Caracas. "Bandit, Korrupter, verschwinde", schrie er an Maduro gerichtet. Bei den Protesten wurden bisher 47 Menschen getötet und Hunderte weitere verletzt.

Nicolás Maduro - Erneut Krawalle in Venezuela Bei den Protesten gegen Präsident Nicolás Maduro sind in den letzten Wochen mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Demonstranten bewarfen Polizisten mit Molotowcocktails, diese schlugen mit Tränengas zurück. © Foto: Federico Parra/AFP/Getty Images