Auf der Trauerfeier eines getöteten Demonstranten in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 20 Menschen getötet worden. Mindestens 119 weitere Menschen seien mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht worden, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wahidullah Madschroh. Polizeiberichten zufolge sind drei Bomben in schneller Folge während eines Begräbnisses explodiert.

Die Trauerfeier war Mohammed Salem Isedjar gewidmet, dem Sohn des stellvertretenden Senatspräsidenten, der während der Proteste gegen die Regierung am Freitag getötet worden war. Auf der Trauerfeier war eine Reihe hochrangiger Regierungsvertreter, darunter auch Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah.

Abdullah überstand das Attentat unversehrt. Im Fernsehen sprach er von drei Selbstmordattentätern, die sich unter die Trauernden gemischt und ihre Sprengstoffgürtel in dem Moment zur Explosion gebracht hätten, als die Trauergemeinde zu beten begann. Außenminister Salahuddin Rabbani, der ebenfalls zur Trauerfeier gekommen war, schrieb auf seiner Facebookseite, auch er sei unverletzt.

Zu den Tätern gab es zunächst keine Hinweise. Die radikalislamischen Taliban wiesen in einer Botschaft über einen WhatsApp-Kanal jegliche Beteiligung zurück. Der afghanische Geheimdienst NDS teilte mit, dass das Hakkani-Netzwerk die Tat geplant habe. Die Hakkanis sind eine besonders brutale afghanische Gruppe von Aufständischen, die eng mit den Taliban zusammenarbeiten.

GIZ fliegt ihre Mitarbeiter aus

Der Anschlag ist der dritte schwere Sicherheitsvorfall in der afghanischen Hauptstadt seit Mittwoch. Damit stieg die Zahl der Todesopfer in nur vier Tagen auf mindestens 117. Bei einem schweren Sprengstoffanschlag am Mittwoch waren mindestens 90 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt worden. Der Anschlag ereignete sich im Diplomatenviertel. Auch die deutsche Botschaft war erheblich beschädigt worden.

Am Freitag kam es dann zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Kabul. Die Polizei setzte scharfe Munition, Tränengas und Wasserwerfer gegen die Regierungskritiker ein, die aus Ärger über den verheerenden Anschlag vom Mittwoch auf die Straße gegangen waren. Sie forderten den Rücktritt der Regierung. Außer Isedjar wurden mindestens drei weitere Menschen getötet.

Die Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat auf die Sicherheitslage reagiert und inzwischen nahezu ihr gesamtes Personal ausgeflogen. Zurückgeblieben seien weniger als zehn Mitarbeiter, darunter die Landesdirektion und Sicherheitsberater. Die GIZ plant angesichts der sich verschärfenden Sicherheitslage schon länger, die Büros im Zentrum von Kabul aufzugeben und im Sommer in ein schwer gesichertes Lager am Stadtrand zu ziehen.