Die australische Regierung hat sich mit klagenden Asylsuchenden eines Lagers auf Papua-Neuguinea in einem Vergleich geeinigt. Die Summe liege bei 70 Millionen Australischen Dollar, umgerechnet rund 48 Millionen Euro, teilten Anwälte und Regierung mit. Zusätzlich seien laut Einwanderungsminister Peter Dutton rund 20 Millionen Australische Dollar für Anwaltskosten der vergangenen drei Jahre fällig, die von der australischen Regierung übernommen werden sollen. 

Knapp 2.000 Asylsuchende hatten vor einem Gericht im Staat Victoria eine Entschädigung wegen körperlicher und seelischer Verletzungen verlangt. Die Menschen waren zuvor in einem Lager auf der Insel Manus untergebracht gewesen. Dort seien sie wegen der Umstände der Unterbringung sowie einer unrechtmäßigen Inhaftierung ohne Urteil zu Schaden gekommen, hatten sie argumentiert. Die Einigung auf einen Vergleich hat ein auf sechs Monate angelegtes Verfahren verhindert, das diese Woche beginnen sollte.

Australien weigert sich, per Boot ankommende Asylsuchende aufzunehmen. Stattdessen bezahlt der Staat Papua-Neuguinea und Nauru für die Unterbringung von Flüchtlingen. Die Lager auf den Pazifikinseln waren ursprünglich als Haftanstalten gedacht. Inzwischen dürfen Asylsuchende sich aber auch außerhalb der Zäune aufhalten. Das Lager in Manus, in dem die mutmaßlich geschädigten Asylsuchenden untergebracht waren, soll noch bis Oktober diesen Jahres geschlossen werden. Das oberste Gericht von Papua-Neuguinea hatte es laut dem Guardian 2016 als "illegal und verfassungswidrig" eingestuft.

Das in dem Vergleich vereinbarte Geld soll entsprechend der Zeitspanne verteilt werden, die die Asylsuchenden in dem Lager verbracht hätten, sagte Flüchtlingsanwalt Andrew Baker. Auch die individuellen Erfahrungen vor Ort würden laut Baker bei der Verteilung der Geldsumme berücksichtigt.

Der Hauptkläger in dem Verfahren gegen den australischen Staat war der 35-jährige Iraner Majid Kamasaee. Der Christ war wegen gewaltsamer Glaubensverfolgung aus seinem Heimatland geflohen. Er sagte, der Vergleich sei eine lange überfällige Anerkennung des unnötigen Leidens der Asylsuchenden auf Manus. "Ich kam nach Australien, weil ich Frieden suchte. Aber ich wurde nach Manus gebracht und das war die Hölle", sagte Majid dem Guardian. Viele seiner Freunde seien immer noch in dem Lager. 

Obwohl es nicht zu einem Gerichtsverfahren gekommen ist, hat es in dem Fall bereits 200 Zeugenaussagen und 50 Gerichtstermine gegeben. Außerdem sind 200.000 Dokumente teil der Akte, die Aussagen von Asylsuchenden sowie auch unterstützende Berichte von Gesundheitspersonal und Sicherheitsexperten beinhaltet.

Amnesty International kritisiert die australische Flüchtlingspolitik

Die Regierung steht wegen ihrer restriktiven Asylpolitik seit Langem in der Kritik. Schon 2016 hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International der australischen Regierung die Folter von Flüchtlingen und Asylsuchenden vorgeworfen. In den Flüchtlingslagern in den Pazifikstaaten seien Menschenrechtsverletzungen, Missbrauch und Selbstverletzungen an der Tagesordnung, heißt es in einem Untersuchungsbericht von Amnesty International. Der menschenunwürdige Umgang mit den Asylsuchenden erfülle auch nach internationalem Recht den Tatbestand der Folter.

Die Internierten in Nauru litten dem Bericht zufolge unter physischer Gewalt und sexuellen Übergriffen. Häufig verletzten sie sich aus Verzweiflung selbst. Viele Gefangene seien während ihrer Zeit in dem Lager psychisch erkrankt. Zudem sei die medizinische Versorgung unzureichend, und Kinder würden nicht ausreichend vor Missbrauch geschützt.

Die Menschenrechtsorganisation forderte damals, die australische Regierung müsse nach internationalem Recht zur Rechenschaft gezogen werden, da sie Flüchtlinge auf Nauru vorsätzlich und systematisch vernachlässige und grausamer Behandlung aussetze.