Mit Äußerungen bei einer Gedenkfeier im früheren NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau hat die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydło Kritik im In- und Ausland hervorgerufen. Szydło hatte am Mittwoch gesagt, "in unserer turbulenten Zeit" sei Auschwitz eine "große Lehre", dass "alles getan werden muss, um die Sicherheit und das Leben unserer Bürger zu verteidigen". Kritiker warfen Szydło daraufhin vor, das Gedenken an die Opfer des Vernichtungslagers für eine Rechtfertigung der Antiflüchtlingspolitik ihrer Regierung zu instrumentalisieren.

Derzeit weigert sich Polen, die von der EU beschlossene Umverteilung von Flüchtlingen mitzutragen und selbst Flüchtlinge aufzunehmen. Die EU-Kommission hatte deshalb inzwischen Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen sowie Ungarn und Tschechien beschlossen. Szydło hatte die Weigerung ihrer Regierung wiederholt mit Sicherheitserwägungen begründet, ihr Sprecher Rafał Bochenek sprach mit Blick auf die Umverteilung von Flüchtlingen von einer "Bedrohung" für die Sicherheit Polens.

Die Chefin der liberalen Oppositionspartei Nowoczesna, Katarzyna Lubnauer, warf Szydło nun vor, "den Horror von Auschwitz zu missbrauchen, um den Polen Angst vor Flüchtlingen zu machen". Der Vorsitzende der christlichen Vereinigung der Familien von Auschwitz, Krzysztof Utkowski, sagte laut dem Portal wp.pl, Szydło habe mit ihren Äußerungen einen "krassen Fauxpas" begangen. Kritik kam auch von EU-Ratspräsident Donald Tusk. "Solche Worte sollten niemals an einem solchen Ort von einer polnischen Ministerpräsidentin ausgesprochen werden", kommentierte der frühere polnische Ministerpräsident via Twitter.

Die Veranstaltung, bei der Szydło sprach, war dem 77. Jahrestag der ersten Nazitransporte polnischer Häftlinge in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gewidmet. Die rechtsgerichtete Ministerpräsidentin sprach bei dieser Gelegenheit auch über die Leiden der Auschwitz-Opfer und den Heldenmut von Polen während der Nazizeit.

Regierungssprecher Bochenek wies die Anschuldigungen zurück und warf den Kritikern vor, die Worte der Regierungschefin aus dem Kontext zu reißen und falsch zu interpretieren. "Wer will, kann in jeder Erklärung schlechte Absichten erkennen", sagte er.

Auschwitz-Birkenau war im Zweiten Weltkrieg im damals besetzten Polen das größte NS-Vernichtungslager. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden dort ermordet, die meisten waren Juden. Unter den Auschwitz-Toten sind auch 80.000 nicht jüdische Polen, 25.000 Sinti und Roma sowie 20.000 sowjetische Soldaten.