Laut Informationen der ZEIT melden immer mehr Soldaten Verfehlungen in der Bundeswehr. Im vergangenen Jahr beschwerten sich demnach noch 30 Untergebene offiziell wegen Übergriffen von Vorgesetzten wie etwa gezielten Schindereien oder wüsten Beschimpfungen. Allein vom 1. Januar 2017 bis zum 20. Juni dieses Jahres waren es bereits 50.

Im selben Zeitraum stiegen auch die Beschwerden wegen rechtsextremer oder fremdenfeindlicher Verfehlungen auf 83 – 22 mehr als im gesamten Jahr 2016. Und auch bei den Fällen sexueller Nötigung und Erniedrigung zeichnet sich ein starker Anstieg ab: Die Gesamtzahl von 121 Fällen im Jahr 2016 war für dieses Jahr am 20. Juni mit 114 Meldungen bereits fast erreicht. 

Laut Verteidigungsministerium sind die steigenden Meldezahlen kein Beleg dafür, dass die Bundeswehr immer autoritärer oder fremden- und frauenfeindlicher wird. Sie machten vielmehr deutlich, dass die Soldaten mutiger würden, Fehlverhalten klar zu benennen. Darauf weise auch eine "nicht unbedeutende Anzahl von Altfällen" hin, die nun gemeldet würden. Das sei, wie es im Ministerium weiter hieß, "ganz im Sinne von Ministerin von der Leyen".

Zuletzt hatten der Fall des terrorverdächtigen rechtsextremen Offiziers Franco A. und angeblich sexuell-sadistische Praktiken und quälerische Aufnahmerituale am Standort Pfullendorf für Aufsehen gesorgt. Von der Leyen wird vorgeworfen, Missstände in Pfullendorf übertrieben zu haben, um sich als Problemlöserin profilieren zu können.

SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold forderte deswegen, dass die Verteidigungsministerin nach der Bundestagswahl ihr Amt abgibt. Sie habe den Ruf der Bundeswehr durch überzogene Vorwürfe beschädigt und eine Misstrauenskultur in der Bundeswehr erzeugt. "Das merken die Soldaten, und deshalb hat sie das Vertrauen verspielt und kann auch so nicht mehr Verteidigungsministerin werden", sagte Arnold.