In mehreren deutschen Städten kommt es zu Zugausfällen und Verspätungen im Regional- und Fernverkehr, nachdem Signalkabel der Bahn in Brand gesetzt wurden. Bundesweit gebe es zwölf Fälle und zwei weitere Versuche, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Potsdam. Laut Bundesinnenministerium wurden Spreng- und Brandvorrichtungen eingesetzt. Der Staatsschutz der Landeskriminalämter sei eingeschaltet.

Derzeit prüft die Polizei die Echtheit eines Bekennerschreibens, das auf linksunten.indymedia.org, einem Internetportal der linken Szene, veröffentlicht wurde. Darin findet sich ein Verweis auf das G20-Treffen. Das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer findet am 7. und 8. Juli in Hamburg statt. Besonders die linke Szene hat Proteste angekündigt.

Ein Sprecher der Berliner Polizei sagte, das mutmaßliche Bekennerschreiben passe ins Raster. Allerdings sei es noch zu früh zu sagen, ob es tatsächlich authentisch sei. Indymedia versteht sich als offene Plattform zur freien Verbreitung von Informationen. Mehrfach sind auf dem Portal auch Fälschungen aufgetaucht. Tatsächlich hatten Linksextremisten in den vergangenen Jahren aber immer wieder Anschläge auf Signalkabel verübt, um den Zugverkehr zu stören.

Die Brände am Montagmorgen führten auf den Bahnverbindungen Hamburg-Lübeck, Köln-Dortmund sowie bei der Berliner S-Bahn und im Raum Leipzig/Dresden zu Ausfällen und Verspätungen. Auch der Verkehr über Dresden in Richtung Prag war betroffen.

Anfang Juli treffen sich die Staats- und Regierungschefs aus den führenden Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter der EU in Hamburg. Die deutschen Sicherheitsbehörden rechnen mit Angriffen und linken Protesten gegen den G20-Gipfel. Seit Wochen machen Aktivisten mobil, auch mit Ausschreitungen wird gerechnet.

Merkel fordert friedlichen Protest

Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Kritiker des Gipfels zu friedlichen Protesten auf. "Ich weiß, dass ein G20-Gipfel oder die politische Agenda eines solchen Gipfels auch Kritiker hat", sagte Merkel in Hamburg. "Das ist aus demokratischer Sicht, das will ich ausdrücklich sagen, auch gut so." Friedliche Kritik sei grundgesetzlich geschützt – "aber, ich betone, es sollte auch friedliche Kritik sein", sagte Merkel bei einem Dialog mit Nichtregierungsorganisationen zu dem G20-Treffen.

"Für die Organisatoren, für die Sicherheitskräfte und nicht zuletzt für die Stadt und ihre Bürger wird dieses G20-Treffen eine Herausforderung sein, das wissen wir", sagte die Kanzlerin. "Und deshalb will ich ausdrücklich sagen, dass ich allen dankbar dafür bin, dass so viele hart dafür arbeiten, dass das eine konstruktive, eine gute und eine sichere Veranstaltung wird."