Die Polizei Hamburg will nach den Übergriffen türkischer Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in den USA rigoros dafür sorgen, dass es beim G20-Gipfel zu keinen vergleichbaren Szenen kommt. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sagte dem Spiegel, "Szenen wie in Washington, als Personenschützer des türkischen Präsidenten auf Demonstranten einprügelten, wird es in Hamburg nicht geben". Die Polizei werde vor Ort sein "und würde in einem solchen Fall sofort einschreiten".

Beim Besuch des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdoğan bei US-Präsident Donald Trump im Mai hatten türkische Sicherheitskräfte mehrere Demonstranten verletzt, die vor der Residenz des türkischen Botschafters Demonstranten gegen Erdoğan protestiert hatten. Im US-Kongress wurden daraufhin Forderungen laut, den türkischen Botschafter aus den USA auszuweisen. Die US-Justiz hatte zudem Haftbefehle gegen zwölf türkische Sicherheitsleute erlassen. Die Türkei bestellte daraufhin den US-Botschafter ein.

Dem Spiegel sagte der Hamburger Polizeipräsident Meyer, das Sicherheitspersonal ausländischer Delegationen habe beim G20-Gipfel keine polizeilichen Befugnisse. "Es darf nur in Fällen von Nothilfe für die jeweilige Schutzperson tätig werden." Gewalt sei nur bei einem unmittelbaren Angriff erlaubt. Auf Antrag dürften die Sicherheitsleute Waffen tragen.

Zu dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten im Juli in Hamburg werden Tausende Gegendemonstranten erwartet, unter ihnen laut Polizei auch gewaltbereite Autonome. Nach Meyers Angaben rechnet die Polizei unter anderem mit Angriffen auf den Tagungsort.  Trotz eines hohen Aufgebots seien Sachbeschädigungen an Gebäuden und brennende Fahrzeuge zu erwarten.

Merkel fordert friedlichen Protest

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Gastgeberin des Gipfels, rief Kritiker des G20-Gipfels zu friedlichen Protesten auf. "Ich weiß, dass ein G20-Gipfel oder die politische Agenda eines solchen Gipfels auch Kritiker hat", sagte sie. "Das ist aus demokratischer Sicht, das will ich ausdrücklich sagen, auch gut so."

Gegen das Treffen mobilisieren vor allem linke Aktivisten, es werden Ausschreitungen befürchtet. Am Montag wurden in ganz Deutschland mehrere Brandanschläge auf Bahnstrecken verübt. Die Polizei prüft ein Bekennerschreiben, in dem ein direkter Bezug zu dem G20-Treffen hergestellt wird.