Zum ersten Mal hat ein Homosexueller aus Tschetschenien in Deutschland humanitäres Asyl erhalten. Der Mann sei am Dienstag in Deutschland eingetroffen, teilte das Auswärtige Amt mit, mindestens drei weitere Fälle würden derzeit geprüft. Die Betroffenen werden in der Deutschen Botschaft in Moskau angehört, bevor über ihre Anträge auf Asyl entschieden wird.

Mit einem humanitären Visum wird Personen, die noch im Ausland sind, "aus dringenden humanitären Gründen" die Aufenthaltserlaubnis erteilt – eine Seltenheit in Deutschland, genauso wie in anderen EU-Staaten. Auch Frankreich und Litauen haben bereits homosexuelle Tschetschenen aufgenommen.

In der autonomen Teilrepublik im Süden Russlands werden Homosexuelle verfolgt, inhaftiert, gefoltert und gedemütigt, wie die russische Zeitung Nowaja Gaseta im April aufgedeckt hatte. Mindestens drei Männer sollen wegen ihrer sexuellen Orientierung getötet worden sein, mehr als 100 Menschen wurden verhaftet. Doch auch wer aus der Haft entlassen werde, ist laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch als Homosexueller in Tschetschenien nicht sicher: Die staatlichen Sicherheitskräfte würden sich mit den Worten "Ihr wisst, was jetzt zu tun ist" an Angehörige richten und damit indirekt zum Ehrenmord aufrufen.

Tschetschenien wird seit 2007 von Ramsan Kadyrow regiert, einem Mitglied der Putin-treuen Partei Einiges Russland. Kritikern, die die Verfolgung Homosexueller in Tschetschenien anprangern, entgegnete Kadyrow, es gebe dort gar keine Schwule. Angela Merkel hatte im Mai bei einem Treffen mit Wladimir Putin darum gebeten, Minderheitsrechte in Russland stärker zu schützen.